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L.A. Noire

TEST: Aufstieg & Fall eines US-Cops

Cole Phelps ist ein einfacher Cop im Los Angeles der 40er Jahre. Er kommt vom Militär, ist jung, steckt voller Ideale und ist verdammt ehrgeizig. Als er und sein Kollege auf Streife über eine Leiche stolpern reicht es ihm nicht, auf die Verstärkung zu warten. Cole will den Fall auf eigene Faust lösen – schließlich möchte er auf der Karriereleiter himmelwärts.

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Gesagt, getan – Cole löst den Mordfall und wird schon bald befördert. Aber auch wenn es bisher so klingt, L.A. Noire ist kein amerikanisches Helden-Epos. Cole lebt zwar mehr und mehr den amerikanischen Traum, zerbricht aber an dem, was unter der Fassade der schillernden Millionen-Metropole schlummert: Gewalt, Drogen und Korruption. Und immer mehr und mehr verliert Cole sich selbst.

#1: Spurensuche

L.A. Noire bringt die US-Metropole völlig frei und authentisch auf den Monitor. Der komplette Aufbau ist den realen 40er Jahren nachempfunden, die Struktur der zu lösenden Fälle ist ähnlich vorgegeben. Cole erhält einen Fall und macht sich an Bord eines Polizeiwagens durch die Straßenschluchten auf den Weg dorthin, wo eine Leiche auf dem Gehsteig liegt und ein Tatort auf Spuren abgesucht werden muss.

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In eine wirkliche, detektivisch angehauchte Spurensuche artet L.A Noire aber niemals aus. Aus der Verfolgerperspektive trottet Cole am Tatort umher und sobald er sich in der Nähe eines vermeindlich interessanten Objektes befindet, tönt ein leises „Pling“ aus den Lautsprechern und eine Lupe erscheint auf dem Monitor genau dort, wo das Objekt liegt. Cole sammelt Zigarettenstummel, Patronenhülsen und Ähnliches ein. In einer 3D-Ansicht können die Objekte noch genauer unter die Lupe genommen und nach Indizien abgeklappert werden.

#2: Verhör

Sind alle Beweise gesammelt und Zeugen vernommen, geht es zum Herzstück des Crime-Thrillers: den Verhören. Tatverdächtige werden ins Präsidium gebracht und im Verhörraum unter die Lupe genommen. Cole stellt vorgegebene Fragen und fortan gilt es darauf zu achten, wie sich die Mimik des Gegenüber verändert und so verrät, dass er oder sie lügt, flunkert oder sich gerade vollkommen um Kopf und Kragen redet.

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Weicht der Verdächtige den Blicken aus? Ist der Schock ehrlich oder gespielt? Was bedeuten die zuckenden Mundwinkel? Das Spiel setzt das Minenspiel mit umwerfend realistischen Gesichtsanimationen in Szene, in denen es sich – da meist übertrieben dargestellt – auch gut lesen lässt. Entsprechen der Reaktion bohrt Cole in der entsprechenden Fragen-Richtung weiter, bis der oder die Verdächtige mit dem Rücken zur Wand steht.

#3: Rest

L.A. Noire besteht nicht nur aus Spurensuche und Verhören. Setzen sich Gangster zur Wehr, muss Cole zum Colt oder zur Schrotflinte greifen. Alles funktioniert wie bei einem typischen Actionspiel, wirkt manchmal aber arg aufgesetzt. Es wirkt oft so, als wüßten die Entwickler bis zur Veröffentlichung des Spiels nicht so recht, was L.A. Noire denn nun eigentlich werden sollte. Ein Actionspiel? Ein Detektiv-Adventure? Oder eine packend erzählte Geschichte um den menschlichen Aufstieg und Fall eines US-Cops?

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Fernab dieser Fragen besticht das Spiel vor allem durch die starke Akustik und die tolle englische Vertonung, die besonders in den Verhören sehr gut zur Geltung kommt. Akustisch kann man L.A. Noire wirklich keinen Vorwurf machen. Grafisch bringt das Spiel ein authentisch umgesetztes Los Angeles der 40er Jahre auf den Monitor, das – technisch leicht veraltet – authentisch und lebendig ist.

Pro / Con
  • tolle Zwischensequenzen
  • packende Geschichte um Cole Phelps
  • erstklassiger Soundtrack
  • starke 40er Jahre-Atmosphäre
  • tolle Verhör-Mechanik
  • komplexe Kriminalfälle
  • aufgesetzte Action-Einlagen
  • fummelige Spurensuche
  • keine nennenswerten Rätsel
Fazit
L.A. Noire erzählt eine atmosphärische, spannende, komplexe, packende und berührende Geschichte um den Cop Cole Phelps, der beim LAPD aufsteigt, aber im kriminellen Sumpf der Stadt zu versinken droht. Alles verweben die Entwickler mit tollen Kriminalfällen, die es zu lösen gilt. Dabei sind die Indiziensuche und die Kämpfe weniger stimmig und interessant, als es die Verhöre sind. Hier lässt L.A. Noire die Muskeln spielen. - TA
Rating
8/10