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Alan Wake

Test: Mysteriös, düster und richtig richtig gut!

Alan Wake ist ein erfolgreicher Autor. Seine Romane verkaufen sich gut, er lebt mit seiner Frau in einer geräumigen Wohnung in New York. Doch Alan hat ein Problem: er kann nicht mehr schreiben. Seit zwei Jahren hat er es nicht mehr geschafft, auch nur eine Taste auf seiner Schreibmaschine zu drücken. Er fühlt sich ausgelaugt, der Erwartungsdruck lastet auf ihm. Alan will nur noch eins: Ruhe.

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Und genau die verspricht das verschlafene Städtchen Bright Falls im Norden der Vereinigten Staaten von Amerika. Berge so weit das Auge reicht, endlose Wälder und Seen – vom Stress und Trubel der Großstadt keine Spur. Alan und seine Frau Alice beziehen ein Haus auf einer kleinen Insel in Mitten eines malerischen Sees, umrundet von Bergen und blauem Himmel. Der ideale Platz um sich zu erholen – abgeschieden und einsam. Als Alan die Augen wieder öffnet, sitzt er in seinem Geländewagen. Der Wagen hat die Leitplanke durchbrochen und pendelt auf einer Klippe. Er kann sich nicht erinnern, was geschehen ist und warum er einen Unfall gebaut hat.

Alptraum
in sechs
Episoden

Nur eins weiß er noch: Etwas oder jemand hat seine Frau entführt. Ohne Gedächtnis und mit dröhendem Schädel macht sich Alan auf die Suche nach seiner Frau. Zu Fuß geht es zum nächstgelegenen Stützpunkt der Zivilisation, doch die sind in hohen Norden der USA rat gesäht. Weit zwischen den Bäumen ist der Lichtschein einer Tankstelle zu sehen – das erste Ziel im Kampf gegen den Gedächtnisverlust, die Dunkelheit und mysteriöse Mächte, die in Bright Falls und Umgebung ihr Unwesen treiben. Remedy Entertainment erzählt die Geschichte rund um den verzweifelten Autoren im Episoden-Format. Für Spiele eher ungewöhlich, haben sich die Entwickler vor allem von TV-Serien wie Lost beeinflussen lassen. Was die düstere Stimmung, die Geheimnisse und Mysterien angeht, standen verschiedene Horror-Romane Pate, Steven King war vor allem eine Inspirationsquelle.

Wer Max Payne und May Payne 2 gespielt hat weiß, dass das finnische Studio den Fokus der Spiele auf die Geschichte legt – und das gelingt mit Alan Wake erneut phänomenal gut. Vom ersten Moment an möchte man wissen, was in Bright Falls und Umgebung vor sich geht – der Spannungsbogen wird über 12 Stunden aufrecht gehalten. Ständig streuen die Entwickler neue Mysterien, die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen.

Die Macht
des Lichtes

Alan Wake spielt mit einer typisch menschlichen Angst: der Achluophobie. Zu Deutsch: die Angst vor der Dunkelheit. Wer geht schon gerne in den Keller, wenn die Lampe kaputt ist? Oder welches Kind hat Nachts unter seinem Bett nicht schon einmal Schatten gesehen? Das mulmige Gefühl im Dunkeln beschränkt sich aber nicht auf das Kindesalter, auch fortgeschrittene Jahrgänge sind vertreten – nicht zuletzt Dank Alan Wake. Tagsüber ist der amerikanische Norden eine herbstliche Idylle, Nachts die Hölle. Auf seinem Weg zur Tankstelle begegnet Alan zum ersten Mal der Dunkelheit, die von der Umgebung und den Menschen Besitz ergreift. Aus harmlosen Waldarbeitern und Polizisten macht sie Besessene, die Jagd auf Alan machen. Und die Dunkelheit beschützt ihre Opfer.

Kugeln tun ihnen nichts, die um sie wabernde Dunkelheit wirkt wie ein Schutzschild. Deshalb ist Alans wichtigste Waffe das Licht. Der Autor hat immer eine Taschenlampe dabei, die nicht nur Licht ins Dunkel bringt. Wird der Schein auf die Gegner gerichtet, verschwindet die dunkle Aura und sie sind verwundbar. Ohne den Schild lassen sich die Besessenen problemlos ausschalten, dafür fährt das Spiel mit Revolver, Schrotflinte und Jagdgewehr auf. Allerdings ist Munition ein spärlich gesähtes Gut.

Die Flucht
nach Vorn

Sobald Gefahr droht und sich die Besessenen nähern, beginnt das Bild auf dem Monitor leicht zu verschwimmen, was die ohnehin düstere Szenerie verstärkt. Hinzu kommt, dass die Gegner nicht nur vor Alan auftauchen, sondern ihn auch von Hinten attackieren. Per gut getimten Tastendruck weicht der Autor aus, ansonsten wird er verletzt. Viel hält ein New Yorker-Stadtmensch nicht aus, daher ist Vorsicht die Mutter der Porzelankiste. Und die Flucht nach Vorn keine Schande, denn die besessenen Gegner treten besonders gerne im Rudel auf.

Die Dunkelheit „beseelt“ aber nicht nur Menschen, sondern auch Dinge. Plötzlich schweben Fässer oder ganze Autos in der Luft und werden auf Alan geschleudert, Mähdrescher und große Bagger spielen plötzlich verrückt und machen Jagd auf den Autor. Hier hilft nur ausweichen und die schwarz wabernden Objekte mit der Taschenlampe zu bekämpfen, oder den speziellen Licht-Waffen wie Magnesiumfackeln, Blendgranaten und der Signapistole. Die „erleuchtenden“ Waffen sind aber noch seltener zu finden als es bei den Handfeuerwaffen der Fall ist – und gehen noch schneller zur Neige. Daher ist immer aufatmen angesagt, sobald Alan in einem Lichtkegel steht. Hier sichert das Spiel übrigens automatisch den Fortschritt.

Licht und
Schatten

Alan Wake erzeugt eine Atmosphäre erster Güte. Die zu Beginn völlig undurchsichtige Story, die düstere Umgebung, die angenehm knisternde Spannung, die ständige Bedrohung, die aus der Dunkelheit auftauchen könnte. Die kräftige Akustik und die musikalische Untermalung unterstützen die Spannung außerdem. Alles ist inszeniert vor einer bildhübschen Kulisse, die mit tollen Licht- und Schatteneffekten und enormer Weitsicht aufwartet. Außerdem ein dicker Pluspunkt in Sachen Atmosphäre: Das Hud lässt sich komplett deaktivieren.

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Aber wo Licht ist, da ist bekanntlich auch Schatten. Freies Speichern ist nicht möglich, sobald Alan in den Lichtkegel einer Lampe tritt wird automatisch gesichert. Ab und an ist der Autor außerdem mit Fahrzeugen unterwegs – wohl das letzte Überbleibsel der ehemaligen Open-World-Planung. Sie wirken im Spiel entsprechend aufgesetzt. Auch in Sachen Gegnervielfalt hätten die Entwickler etwas mehr aus den Vollen schöpfen können.

Pro / Con
  • tolle Atmosphäre
  • spannende Geschichte
  • starke Akustik
  • gute Steuerung mit Maus + Tastatur
  • umwerfende Weitsicht
  • toll ausgestattete Collector's Edition
  • wenig spielerische Abwechslung
  • geringe Waffenauswahl
  • geringer Wiederspielwert
Fazit
Nach Jahren hat Alan Wake doch noch den dunklen Weg auf den PC geschafft - und das mit Bravour. Trotz der Jahre hat der düstere Mystery-Thriller nicht von seiner Spannung und Intensität verloren: Die Geschichte fesselt für 12 Stunden vor den Monitor - Spannung & Grusel inklusive. Einziges Manko: Das auf Dauer eintönige Gameplay nutzt sich etwas ab. Nichts desto trotz sollte man Alan Wake einfach gespielt haben! - TA
Rating
9/10