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ABZÛ

TEST: Kann denn ein Tauchgang Kunst sein?

Wenn man beim Spielen alle paar Minuten mit offenem Mund vor dem Monitor sitzt, dann sollten die verantwortlichen Entwickler wohl etwas richtig gemacht haben. Zumindest punktuell. Könnte man meinen. Also: Wenn ich es von hier aus könnte, würde ich den Jungs und Mädels von Giant Squid gerne auf die Schulter klopfen. Anerkennend. So wie es sich jeder von seinem Vorgesetzen wünscht. Und sagen: „Gut gemacht!“. Denn zusammenfassend muss man über ABZÛ nicht viel mehr sagen.

ABZÛ im Test!

Ich tu‘s trotzdem. Und zugegeben, man muss sich auf ABZÛ erst einmal einlassen. Wem Bilder und Videos vorab nicht gefallen haben, der sollte sich nicht unbedingt ins kühle Nass stürzen. ABZÛ ist speziell. Alles beginnt im Wasser mit ein paar wenigen Erklärungen der Steuerung – und los geht’s. Keine Story? Nö. Zumindest keine, von der man zu Beginn des Spiels wüsste. Auch im Verlauf weiß man von einer Story nicht viel mehr und muss sie sich zusammenreinem. Grob dürfte sie lauten: Rette den Ozean vor den Überbleibseln einer hochtechnisierten Kultur.

Irgendwo
im Meer…

Die Story ist also kein Kernelement von ABZÛ. Okay. Aber wovon lebt das Spiel? Ganz einfach: Von der Faszination Unterwasserwelt, die auf den Monitor gezaubert wird. Sonnenstrahlen brechen durch die Wasseroberfläche und schimmern unter Wasser. Gräser wiegen sich, Fische, Schwärme und allerlei Getier bevölkert die stille Welt. Und mittendrin eine menschenähnliche Gestalt mit spitzen Ohren und Flossen an den Füßen, die wie ein Fisch mit geschmeidigen Schwimmbewegungen Bahnen durch das Wasser zieht. Die ersten Minuten mag man einfach nichts anderes mehr machen.

ABZÛ im Test!

ABZÛ teilt sich in mehrere Abschnitte – man sucht sich seinen Weg nicht in einem komplett offenen Ozean. Dabei legt das Spiel eine Spur von Brotkrumen, denen der Spieler immer weiter und tiefer in den faszinierenden Ozean folgt. Und schließlich gibt es dabei so viel zu entdecken! Ein paar Atolle, Korallen und Gräser sind da zu Beginn nur der Anfang. Scheinbar gab es in den wässrigen Unterwelten von ABZÛ einmal eine mittlerweile verschwundene Kultur mit pompösen Bauwerken. Und eine hochtechnisierte Kultur, die scheinbar auf Dreiecke stand…

Rettet die
Fische!

Und nicht nur die. ABZÛ rettet gleich den ganzen Ozean. Wer ein wenig nachdenkt, stolpert schnell über Parallelen mit unserer realen Welt. Eine technisch weit fortgeschrittene Kultur, die die Ozeane bedroht. Klingelt da was? Man könnte fast meinen, Giant Squid möchte uns ein wenig einen Spiegel vorhalten. Erreicht der Spieler einen neuen Abschnitt ist der dunkel, leblos, leer – Farben und Leben? Fehlanzeige. Nun gilt es ein paar leichte Aufgaben zu lösen, die selbst der gelegentlichste Gelegenheitsspieler ohne Probleme im Schlaf knacken kann. Überragend spannende Aufgaben a la drücke zwei Schalter um eine Tür zu öffnen.

ABZÛ im Test!

Man merkt schon: ABZÛ setzt eine Faszination für das Spiel an sich voraus. Denn auch das Gameplay ist außerhalb der Taucherei und Schwimmerei so neu, wie ein Thunfisch aus der Dose. Aber hat man erst einmal ein paar Knöpfe gedrückt und einen Abschnitt der Unterwasserwelt wieder ins Lot gerückt, zaubert ABZÛ aus dem Dunklen eine umwerfende und umwerfend bunte Flora und Fauna auf den Monitor und der Mund steht offen. Wieder. Die eine oder andere Minute Staunen muss man einfach einkalkulieren.

Unter dem
Wasser…

… ist die Freiheit nicht grenzenlos. Im Gegenteil auch immer wieder ziemlich verschlaucht. Zwischen den frei beschwimmbaren Abschnitten gibt es ab und an einen Strom oder einen Sog und selber tauchen ist nicht mehr. Das Ganze inszeniert ABZÛ allerdings beeindruckend cineastisch und so kann es passieren, dass man plötzlich winzig klein mit einer Gruppe ganz dezent größerer Blauwale durch den Ozean taucht. Auch an dieser Stelle gilt: Bei ABZÛ macht immer wieder einfach nur das Zuschauen Spaß. Das Spiel zaubert mit seinem comichaften Stil viele verdammt beeindruckende Momente auf den Bildschirm.

ABZÛ im Test!

Dabei ist die Unterwasserwelt einfach nur stimmig. Wie ein Fisch geht’s mit dem Gamepad (und auch wirklich nur mit dem Gamepad!) durch das virtuelle Nass – so manches tauchende/schwimmende Kunststückchen inklusive. Mit einem Schwarm Delfine durch die Wasseroberfläche springen? Kein Problem. Akustisch ist es unter der Wasseroberfläche eher dumpf – das kennt jeder aus der Badewanne. Dazu zaubert ABZÛ eine einheitlich wunderschöne musikalische Untermalung aus den Lautsprechern, die das Spiel an vielen Ecken und Enden noch schöner macht. Störer ist vor allem das repetitive Gameplay, das sich in den verschiedenen Abschnitten des Ozeans immer wieder wiederholt. Und täglich grüßt das Krustentier. Quasi.

Pro / Con
  • wunderschön stimmiger Stil
  • viele "Mund offen"-Momente
  • cooles Tauch-Feeling
  • perfekt passender Soundtrack
  • lebendinge, bunte Unterwasser-Welt
  • beeindruckend viele Fische auf dem Monitor
  • miese Tastatur-Steuerung
  • repetitives Gameplay
  • kurze Spielzeit ( 4 Stunden)
Fazit
ABZÛ ist ein spielbares Kunststückchen, dass eine schöne und schön anzusehende Unterwasserwelt auf den Monitor zaubert! Das Auge isst ja schließlich mit. Und bei ABZÛ ganz eindeutig auch das Ohr. Die Abwechslung hat zwar etwas wenig Futter abbekommen – vor allem in Sachen Gameplay. Aber sei es drum. ABZÛ möchte eine spielbare und künstlerische Faszination sein – und wenn man sich für den Stil der Spiele von Giant Squid erwärmen kann, steht einem beeindruckenden Tauchgang nichts mehr im Wege. - TA
Rating
8/10