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Shadow Tactics

GC16: Taktieren im Land der aufgehenden Sonne

Was haben der Zweite Weltkrieg, der Wilde Westen und die japanische Edo-Periode anno 1620 gemein? Zugegeben, würde mir jemand die Frage stellen, wäre meine Antwort zu garantierten 99,9 Prozent auch „Häh?!“. Oder „Watt?!“. Oder ähnlich anspruchsvoll. Dabei ist die Antwort ganz einfach: Es lässt sich wunderbar echtzeitlich taktieren! Eidos und die Commandos haben es ab 1998 im Zweiten Weltkrieg vorgemacht, die Desperados und Spellbound haben anno 2001 im bleihaltigen Westen taktiert. Und in diesem Jahr ziehen die Mimimis mit fünf Assassinen für den Shogun in die Edo-Echtzeit-Taktik-Schlacht.

Shadow Tactics Look von der gamescom 2016!

Denn in den japanischen 1620ern hat der Shogun ein kleines Problem: Eine Verschwörung rüttelt an seinem Edo-Thron. Und damit er bei dem Gewackel nicht runter purzelt, schickt er fünf Assassinen ins Rennen, die sich um die Störenfriede kümmern. Klingt jetzt nicht gerade nach Spannung ohne Ende? Stimmt. War ja auch nur der Rahmen. Die Mimimis versprechen eine tiefgreifende und ernste Geschichte, die von den fünf Assassinen getragen werden soll. Jeder hat seinen eigenen Hintergrund und seine Motivation – und doch ist alles irgendwo verknüpft.

Irgendwann
in Japan

Anno 1620 funktionierte in Japan die Echtzeit-Taktik so, wie auch im Wilden Westen und im Zweiten Weltkrieg: Mit der Draufsicht auf eine mal mehr, mal weniger große Karte, die mal ein Feindlager im Edo-Wald, ein Bergkloster im Schneegestöber oder eine städtische Häusersammlung beinhalten. Das Spiel verrät dann eins oder mehrere Ziele, die erledigt werden müssen, und ab geht die Assassinen-Post. Insgesamt soll es 13 Missionen geben, die – je nach Spielart – eine oder zwei Stunden dauern. Die Entwickler peilen eine durchschnittliche Spielzeit von 25 Stunden an. Wer neugierig ist und ausprobieren will, wird noch deutlich länger zu tun haben.

Shadow Tactics Look von der gamescom 2016!

Denn die Karten sind groß – und die Möglichkeiten, die Verschwörer aus der Bahn zu kegeln, auch. Zum einen hat jeder der glorreichen Fünf seine ganz eigene Art und Weise, zum anderen gibt es auf den Karten etliche Wege, ans Ziel zu kommen. Das Vorgehen kennt man: Karte sichten, Situation anschauen und eine Strategie entwickeln. Dann lenkt Assassine 1 die Gegner mit einem Stein ab, Assassine 2 schleicht schnell vorbei, bringt ein Stoß Fässer zum Einsturz und deckt damit die Verschwörer, die noch rätseln („Häh?!“ und „Watt?!“), warum ein Stein plötzlich Beine bekommen hat, zu. Und gute Nacht!

Killer auf
dem Dach

Shadow Tactics funktioniert erfreulich gewohnt. Man navigiert die Assassinen gut geplant von A nach B, schaltet die garstigen Verschwörer aus, räumt die Leichen aus dem Weg, lenkt Feinde ab, vergiftet gut bewachte Generäle mit ihrem eigenen Tee und klettert des Nachts im Edo-Dorf von Dach zu Dach, um dem Radius und Sichtweite der Gegner zu entgehen. Denn hält sich einer der Assassinen nicht bedeckt genug, schlägt der Gegner a) Alarm und kommt b) auch noch direkt mit seinen Verschwörer-Freunden angelaufen. Wenn da nicht ein explosiver Plan dahinter steckt, ist der Assassine schnell Geschichte. Und dann ist auch die Mission Geschichte, denn alle Assassinen müssen die Geschichte überleben.

Shadow Tactics Look von der gamescom 2016!

Die Fünf haben ihre Eigenarten, Stärken und Schwächen. Da Spieler bekanntlich dazu neigen, sich einen Liebling auszusuchen, geben die Mimimis vor, welche Assassinen in den Missionen spielbar sind und ihre Spuren im Schnee hinterlassen. Apropos Missionen: Die Entwickler haben schon Ideen und Konzepte für mehr Missionen im Kopf und in der Schublade. Was noch fehlt sind Pläne, ob und in welcher Form der Nachschub in Richtung Spieler schleichen könnte. Das Wort „DLC“ ist in diesem Zusammenhang tatsächlich gefallen, aber nur in dem Kontext, dass kein Download-Content geplant ist. Bis jetzt.

Pro / Con
  • cooles Setting
  • fünf verschiedene Assassinen
  • ernste, tiefgreifende Story
  • viele Wege zum Ziel
  • interaktive Umgebung
  • gewohntes Taktik-Gameplay
  • keine freie Assassinen-Wahl
  • steht und fällt mit der Story
Fazit
Echtzeit-Taktiker können ihre Höhepunkte in den letzten Jahren an einer Hand abzählen. Und wenn, dann war die ganze Nummer schnell vorbei. Shadow Tactics sieht nach ein paar mehr Höhepunkten aus! Das Szenario ist cool und unverbraucht. Spielerisch fühlt es sich erfreulich gewohnt an – mit einer frischen Priese Mimimi-Ideen an allen Ecken und Enden. Wenn die Story wie versprochen tiefgründig ernst ist und der Japano-Taktiker fesselt, dann stehen die Fahnen am Palast des Shogun auf spaßig spannendes Taktieren im Land der aufgehenden Sonne. - TA
Rating
-/10