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Ian's Eyes

TEST: Ein Blindgänger auf der High-School

Im Leben gibt es mindestens eine Hand voll Tage, an denen man besser im Bett geblieben wäre. Und die Chance, dass die Tage etwas mit der Schullaufbahn zu tun haben, sind erfahrungsgemäß verdammt hoch. Eben einen solchen (schulischen) Tag erlebt der kleine Ian: Gerade frisch in eine neue Stadt gezogen bedeutet das für ihn eine neue Schule, neue Klassenkameraden und neue Umgebungen. Für den kleinen Ian ist die ganze Situation gleich doppelt kompliziert, denn er ist blind. Aber alles kein Problem, denn sein treuer Blindenhund North ist immer an seiner Seite.

Ian's Eyes im Test!

Das viel größere Übel sind die Klassenkameraden, denn zum Beginn des neuen Schuljahres wird allen Schülern ein uralter Film vorgespielt und allesamt verwandeln sie sich in willenlose High-School-Zombies mit großem Appetit auf kleine, blinde Jungen und haarige Vierbeiner. Ian und North natürlich ausgenommen – Ian kann schließlich nichts sehen, und North ist ein Hund. Fortan ist das Motto des Spiels das von unzähligen Verkäufern im deutschen Einzelhandel: Möglichst unauffällig verhalten, keine schnellen Bewegungen machen und irgendwie den Tag überleben.

Dein Hund
und Helfer

Und damit Ian an einem Stück und mit möglichst wenigen Bisswunden überlebt, schlüpft der Spieler in die Rolle von North und lotst den Jungen durch den Überlebenskampf des ersten Schultages. Ein mittelhoher Vierbeiner mit kühler Schnauze kann sich schließlich deutlich unauffälliger durch die geifernden Reihe bewegen. Dabei bedient sich das Spiel der herkömmlichen Mechaniken, die man aus diversen Schleich-Spielen kennt: North kann sich langsam bewegen, schleichen, rennen und mit verschieden großem Radius bellen. Er kann Ian führen, oder sich ohne den Jungen bewegen.

Ian's Eyes im Test!

Ein Beispiel: Alles beginnt in der Sporthalle. Ian und North wollen fliehen, aber Mitschüler mit Appetit auf Menschfleisch versperren den Weg. Per Tastendruck wird North von Ian gelöst und bewegt sich mit starrer Kamera durch den Raum, schleicht an Mitschülern vorbei und bellt. So lockt er die Mini-Zombies an, muss dann aber selbst schleichend Fersengeld geben, um nicht als Hundehappen für zwischendurch zu enden. Danach geht‘s zurück zu Ian, denn wenn der zu lange alleine bleibt, bekommt er Panik und wird gerecht unter den Mitschülern aufgeteilt. Kämpfen kann natürlich keiner von beiden.

Und wer
hilft mir?

Irgendwie hat die Idee hinter Ian‘s Eyes echt Charm. Zugegeben, der Markt an Zombie-Spielen ist mittlerweile dezent überlaufen, aber in Verbindung mit der Flucht eines blinden Jungen und seines treuen Hundes aus der Zombi-High-School klingt das Ganze irgendwie charmant-interessant. Klingt aber auch nur so, denn der Rest von Ian‘s Eyes ist ungefähr so fesselnd wie eine Stunde Ameisenfussball. Es dauert gefühlt eine Ewigkeit, bis man sich an die Handhabung und das Gefühl der Steuerung gewöhnt hat und es zumindest lebendig und an einem Stück aus der Sporthalle geschafft hat.

Ian's Eyes im Test!

Danach folgen weitere Räumlichkeiten, die man aus Film, Fernsehen und Schullaufbahn kennt: Klassenzimmer, leere Flure, Lehrerzimmer, leere Flure, Schultoilette und noch ein paar leere Flure. Dabei reißt sich das Spiel äußerlich kein Zombie-Bein aus und sieht irgendwie an fast jeder Ecke gleich aus. Passend zum Design der Schule ist auch das Design des Gameplays repetitiv: Egal wo North den kleinen Blindgänger auch hin führt, müssen immer gleiche geifernde Mitschüler und sabbernde Lehrer umgangen werden. Abwechslung? Wort und Gedanken haben die Mini-High-School-Zombies vermutlich als erstes gefressen.

Pro / Con
  • charmante und interessante Idee
  • Ian hat eine coole Frisur
  • witzige Szenario-Mischung
  • repetitives Gameplay und Spieldesign
  • fummelige Handhabung
  • langweilige Locations
  • nervige Vertonung von Ian
  • verschenktes Potenzial
Fazit
Ich wiederhole mich: Die Idee hinter Ian‘s Eyes ist gut. Aber nur die Hülle funktioniert nicht, wenn der High-School-Zombie-Epedemie Hirn und Herz fehlen. Spieldesign und Abwechslung stehen auf ganz ganz wackeligen Zombie-Beinen, dazu gesellt sich eine Handhabung, die die blinde Flucht eher erschwert und für den einen und anderen Hirnschmaus sogt - was das Spiel übrigens Ableben um Ableben auch noch mitzählt. Motivation? Geht irgendwie anders. Zusammenfassend und schlussendlich: Die Idee war da, der Wille bestimmt auch, aber die Mittel nicht. Schade. - TA
Rating
3/10