MEEP auf Twitter MEEP RSS-Feed

LWS 2017

TEST: Und täglich grüßt die Ackerfurche

Eine ganz kleine und unrepräsentative Analyse der bundesdeutschen Bauern und der Fernsehwelt: Warum suchen Jahr für Jahr und Staffel für Staffel deutsche Landwirtinnen und Landwirte Frauen bzw. Männer im TV? Und anders herum. An der erfolgreichen Suche kann es nicht liegen – erfolgreich ist das Ganze nur für Deutschlands qualitativsten TV-Sender mit drei Buchstaben aus dem (ansonsten so schönen) Köln. Der Zuschauer liebt wohl eher die Faszination „weltfremder Bauer“, der vor der Kamera ein Ei nach dem anderen legt. Oder sich zur Sau macht. Oder von einem Misthaufen in den anderen stolpert.

Landwirtschafts-Simulator 17 im Test!

Fällt es dabei ins Gewicht, durch welche Umgebung die liebestollen Trottel stolpern? Der Landwirt platziert sich – stellt man den bundesdeutschen Staatsbürgern die Frage – nicht gerade unter den Top 25 der Traumberufe. Übt aber trotzdem eine unbestreitbare Anziehungskraft aus. Bauer sucht Frau und Inka Bause verblö… tschuldigung, beglücken den deutschen Zuschauer seit Jahren – und das sehr erfolgreich. Ebenso astragon Entertainment und das Schweizerische Studio GIANTS Software, die alle Jahre wieder den Landwirtschafts-Simulator auf die deutschen Simulanten loslassen – und damit Jahr um Jahr die Call of Dutys dieser Welt vom Platz 1 der Verkaufscharts pflügen.

Mein Hof
und ich

Der erste Landwirtschafts-Simulator traf seinerzeit einen Nerv – das deutsche Bauern-Gen, das in vielen vielen verkappten Hobbylandwirten schlummerte, die es bis dato noch nicht einmal wussten. Einmal gesäht, ging der Samen auf  – und mittlerweile sähen, pflügen und dreschen tausende Landwirte auch auf den Konsolen – seit diesem Jahr auch mit Modding-Community inklusive. Aber warum ist der Landwirtschafts-Simulator alle Jahre wieder so erfolgreich? Liegt es vielleicht an der superspannenden Reality-GZSZ-Liebesgeschichte? Ähm… Leider nein. Oder am actiongeladenen Grafikfeuerwerk, das schon fast Löcher in den Monitor brennt? Und wieder ein bäuerliches „Nein!“.

Landwirtschafts-Simulator 17 im Test!

Der Landwirtschafts-Simulator bleibt sich treu. Bauern erleben nur im Fernsehen (Danke, danke, danke RTL!) umwerfend spannende Liebesgeschichten. Und in der Definition von „heißer Action“ fallen auch eher selten die Worte „Acker“ oder „Pflug“. Nicht einmal bei Landwirten selbst. Business as usual. Und genau darum geht es im Landwirtschafts-Simulator 17: Eine Darstellung des landwirtschaftlichen Arbeitstages, mit allen Aufgaben und Pflichten, die bei einem Bauern samt Feldern, Äckern, Hühnern, Kühnen und (brandneu) auch Schweinen nun mal so auf der Tagesordnung stehen. Vor dem Beginn der bäuerlichen Karriere steht die Wahl der Spielwelt an, denn neben der bekannt-europäischen Karte gibt es ab sofort auch das amerikanische und stilechte Goldcrest Valley.

Bauer oder
Bäuerin?

Und erstmals die Wahl, ob das virtuelle Bäuerlein männlich oder weiblich sein soll. Auswirkungen hat die Wahl nicht – zumindest keine spielerischen. Alles beginnt auf dem eigenen Hof mit ein paar Feldern, einigen Traktoren und Geräten und etwas Geld. Und nun? Ganz einfach: Das (etwas zu knappe) Tutorial spielen und lernen, was ein Landwirt bzw. eine Landwirtin so zu tun hat: Nämlich ganz viel Traktor fahren. Denn egal was der Landwirt so den lieben langen Tag macht, sein Traktor ist (fast) immer mit dabei. Am besten lässt sich das anhand einer Grundlage erklären, die der Spieler direkt zu Beginn des Tutorials lernt: Der komplette Ablauf bei der Bearbeitung eines Feldes.

Landwirtschafts-Simulator 17 im Test!

Ein paar Hektar Brachland sollen ertragreich genutzt werden. Los gehts und der Pflug wird hinter den Traktor gespannt und das Feld Bahn für Bahn umgepflügt. Danach wird Bahn für Bahn die Erde mit dem Grubber gelockert. Im nächsten Schritt wird mit der Sämaschine das ausgewählte Saatgut verteilt – dieses Jahr sind übrigens zum ersten Mal Sonnenblumen und Sojabohnen mit von der Landpartie. Wir pflanzen Korn – und warten einen Moment, bis es geerntet werden kann. Geerntet wird mit dem Mähdrescher, das Korn wird in den Anhänger hinter dem Traktor gepumpt. Ist der voll, geht‘s für Landwirt, Traktor und Korn in die nahe Stadt zur Bäckerei, wo mit dem Kipper das eigene Gut abgeladen wird. Je nach Marktsituation und Gewicht klimpert das Geld auf‘s Bauernkonto.

Spielzeug für
Landwirte

Erfolgreiche Landwirte beackern bald merhere Felder gleichzeitig, kümmern sich um die hauseigene Tierhaltung samt glücklichen Hühnern, Kühne, Schafe und Schweinen und vergnügen sich nebenbei noch mit der Kettensäge und dem Harvester in den Wäldern. Und das Schöne dabei: Wir dürfen wirklich alle Aufgaben selbst übernehmen. Klappt bei dem Arbeitsaufkommen aber eher weniger. Deshalb lassen sich für Aufgaben wie sähne, mähen, pflügen computergesteuerte Helfer anheuern, die gegen einen Obulus Traktor fahren. Wer möchte, darf aber jederzeit wieder selbst mit anpacken, die Kontrolle übernehmen und die Aufgabe zuende bringen. Und „zuende“ bedeutet fast immer bis zum Abnehmer oder Verbraucher.

Landwirtschafts-Simulator 17 im Test!

Der Fuhrpark für virtuelle Landwirte lässt dabei keine Wünsche offen: Mittlerweile gibt es über 250 lizenzierte Fahrzeuge von über 75 Herstellern. Neulinge sind in diesem Jahr Valtra, Ferguson, Challenger, Massey und Fendt. Zu Beginn ist der eigene Fuhrpark natürlich begrenzt, aber der ansässige Händler hilft immer gerne mit neuen Maschinen aus, wenn das nötige Kleingeld vorhanden ist. Wem das Volument noch nicht ausreicht, der kann sich neue Inhalte von der Community herunterladen oder mit den mitgelieferten Tools selbst generieren. Allerdings sind die zwei Karten des Landwirtschafts-Simulator 17 vorbildlich groß, frei begehbar und die spielerischen Möglichkeiten enorm – bis man da an seine Grenzen stößt, vergeht die eine oder andere Stunde hinter dem virtuellen Traktor-Lenkrad.

Pro / Con
  • sehr großer Umfang
  • detaillierte Fahrzeuge
  • ruhiges, motivierendes Gameplay
  • große Mod-Community
  • neue Radiosender
  • drei Schwierigkeitsgrade
  • Probleme mit der Spielphysik
  • wenig Hilfe im Spiel
  • knappes Einstiegs-Tutorial
Fazit
Seit Jahren bringt der Landwirtschafts-Simulator keine bahnbrechenden Neuerungen mit. Ist aber auch nicht schlimm. Es geht hier nicht um die beste Grafik, neue erzähltechnische Wege, opulente Action oder den Druck auf die Tränendrüse. Wer das möchte, schalte bitte wieder RTL ein. Während der landwirtschaftlichen Stunden hat man in Ruhe seine Aufgaben und seinen Spaß. Das Spieltempo ist angenehm und erholsam. Fragt man mich nach meinem Traumberuf, habe ich den schon. Und Landwirt wäre es nie geworden. Aber die Stunden im stilecht-klischeehaften Goldcrest Valley, die ich damit verbringe Bäume zu fällen, Felder abzuernten oder Schweine zu füttern sind einfach beruhigend angenehm. Und ja, das auch alle Jahre wieder. - TA
Rating
7/10