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Shadow Warrior 2

TEST: You want some more Wang? Go get it!

Preisfrage: Was macht einen Schattenkrieger aus? Ein bisschen Schatten, um sich zu verstecken und ein bisschen Krieg, um zu kriegern? Elementarer ist wohl der Schatten. Um sich anzuschleichen. Um ungesehen Feinde zu umgehen. Um Feinde heimlich, still und leise hinterrücks auszuschalten – mit blankem, kalten Stahl in Klingenform, nicht mit feurigem Stahl in Kugelform! Mit ein paar Sprüngen vom einen Pagodendach zum anderen – ganz leichtfüßig – um dann – ganz leichtfüßig – hinter dem Feind zu landen. Und ihm dann die Kettensäge durch den Hinterausgang in den Körper zu rammen und aus einem Gegner zwei halbe Hahn zu machen. Zum mitnehmen.

Shadow Warrior 2 im Test!

Und warum hat bitte ein Schattenkrieger eine Kettensäge dabei? Und wo verstaut er die, wenn er von Dach zu Dach hüpft wie eine Ninja-Prima-Ballerina? Gute Frage. Interessiert aber niemanden! Lo Wangs Schattenkrieger-Wert ist exakt so hoch wie die Liquidität von Griechenland. Und wer das Original von 1997 oder das Remake aus 2013 gespielt hat weiß, Lo Wang ist nicht gerade das Paradebeispiel eines Leisetreters. Eher das totale Gegenteil. Je größer das Ding, desto größer der Spaß. Na! Nicht falsch verstehen, wir reden hier von Waffen! Gewehren. Raketenwerfern. Schwertern. Und Kettensägen. Dass das Wörtchen „Wang“ im Englischen auch für ein anderes Ding am männlichen Körper „steht“, ist ganz bestimmt Zufall!

Get some
more Wang

Und was macht so ein Wang den ganzen lieben langen Tag? Hauptächlich Sprüche klopfen. Oder mit seinem Ego im Fahrstuhl stecken bleiben. Nebenbei prügelt er sich ganz gerne mit den Yakuzas, zerteilt fachmännisch mit Katana oder Kettensäge die eine oder andere Hundertschaft Dämonen oder ärgert sich mit einem futuristischen Techno-Konzern herum, der ihm seine Roboter-Ninjas auf den Hals hetzt. Die Handlung setzt da ein, wo sie anno 2013 aufgehört hat. Muss ich also schon ein paar lauschige Stunden mit dem Wang verbracht haben, um auf der Höhe zu sein? Nein. Alle wichtigen Fakten werden noch einmal in den Gesprächen nachgeliefert.

Shadow Warrior 2 im Test!

Wang arbeitet sich nicht durch einen Handlungsschlauch, wie man es von Shootern nun mal so kennt. Alles funktioniert missionsbasiert, Aufträge holt man sich im Heimatörtchen bei verschiedenen Probanden ab. Der blutrode Darm-Faden führt in knapp zwölf Stunden ans Ende, wer sich noch die eine oder andere Nebenmission an Land zieht, kann gleich ein paar Stunden aufaddieren. Hin und wieder sind die auch nötig, um die Fähig- und Fertigkeiten des Wang zu verbessern. Denn je nach Schwierigkeitsgrad klopft das Spiel vor den Storymissionen noch einmal an und lässt durchblicken, dass der Wang für die bevorstehende Aufgabe nicht standhaft genug ist. Seine Manneskraft nicht ausreicht.

Upgrade
the Wang

Anstatt in einem Aparment in der Techno-City nach Unterlagen zu suchen, geht es stattdessen in ein abgelegenes ländliches Dorf, um eine Schriftrolle zu bergen. Dafür gibt‘s Bares und Erfahrungspunkte. Außerdem tummeln sich auf den verdammt umfangreichen Karten (ohne Ladeunterbrechung!) immer wieder besonders sportliche Widersacher, die verdammt viel aushalten. Wenn zerteilt, lassen sie aber auch alles zurück, was sie so in den Taschen hatten: Bares, Munition, Medipacks, Artefakte oder frische Waffen. Wo so ein hüfthoher Höllenhund allerdings den ganz schön langen Katana versteckt hatte, ist mir schleierhaft. Für die cool animierten Kills, zerteilte Gegner und rollende Köpfe sammelt der Wang Erfahrungspunkte, mit denen er die Shadow Warrior-Stufenleiter erklimmt.

Shadow Warrior 2 im Test!

Die Punkte werden investiert in neue Angriffstypen oder Fähigkeiten wie eine schnellere Regeneration der Lebensgeister. Die Waffen – acht Dinger darf der Wang immer mit sich tragen – werden über Sockel verbessert. Fortan zielt es sich besser, das Nachladen bis zum nächsten Schuss geht schneller oder der Wang darf mit zwei Revolvern durch die Gegend stolpern. Über 80 Waffen gibt es insgesamt, die jede Vorliebe befriedigen: Pistolen und Revolver, Messer und Katana, Maschinengewehre und Schrotflinten, Raketenwerfer und Kettensäge. Jeder der – nennen wir sie kreativ gestalteten – Widersacher reagiert empfindlicher Waffe A, frisst aber deutlich mehr Blei aus Waffe B. Aber dafür hat der Wang ja acht verschiedene Dinger in allen Größen und Formen dabei.

Double
the Wang

Hat da irgendjemand gesagt, alleine zu spielen wäre auf die Dauer zu langweilig? Kein Problem! Die komplette Kampagne des Actioners lässt sich mit bis zu drei menschlichen Mit-Ninjas durchschnetzeln. Das Spiel passt die Gegnerzahl und -stärke automatisch an, ebenso die Zahl purzelnden Objekte – so hat jeder was davon. Alleine ist Shadow Warrior 2 schon verdammt cool, aber sich zu viert durch die Levels zu arbeiten und die Wellen der Horden zu zerteilen setzt dem ganzen noch das Krönchen auf. Auch wenn es nur einen wahren Wang geben kann, stehen die drei Mit-Ninjas dem glatzköpfigen Sonnenbrillenträger in nichts nach. Zumindest in Sachen Kampfeskraft.

Shadow Warrior 2 im Test!

Wo wir gerade beim Thema „Teilen der Gegnerwellen“ sind – das macht der Actioner nämlich verdammt detailliert und anschaulich. Bearbeitet man zu viert einen besonders umfangreichen Widersacher mit Katana und ein paar Ladungen Schrot, kann man die Spuren besonders gut sehen. Auch sonst halbiert die Kettensäge Feindkörper, Köpfe, Arme und Beine kullern und die Levels bekommen einen ganz neuen Anstrich. Nicht dass das nötig wäre – die drei Szenarien sind detailliert und mit viel Liebe zum Detail umgesetzt. Besonders das altmodische Setting kann mit verdammt viel Flair punkten. Insgesamt präsentiert sich der Shooter sehr gut – auch in Sachen Vertonung. Der derbe Witz des Spiels lebt vor allem durch das zarte Stimmchen von Lo Wang höchst selbst.

Pro / Con
  • 12 Stunden Kampagne
  • 4-Spieler-Koop-Gameplay
  • schnelle Schnetzel-Action
  • reinrassige PC-Version
  • derber Humor unter der Gürtellinie
  • cooler Antihelden-Protagonist
  • tolle Inszenierung
  • Techno-Szenario etwas schwach
  • verwirrendes Ende
Fazit
Shadow Warrior war gut - Shadow Warrior 2 ist geil! Bei dem Actioner passt einfach so gut wie alles zusammen: Gutes und flüssiges Gameplay, ein Großmaul-Charakter, cooles Schnetzel-Gameplay, ein Koop-Modus für bis zu vier Ninjas und tonnenweise derber Witz, der sich immer irgendwo zwischen „unter der Gürtelline“ und „Flachwitz“ einnistet. Zugegeben, eine gehörige Priese Geschmackssache ist mit dabei, aber in Sachen Action ist Shadow Warrior 2 einer der hellsten Sterne am Actionhimmel 2016. Außerdem ist es endlich mal wieder eine reine und echte PC-Version, die den Spieler wirklich an allen Stellschrauben drehen lässt. Well done, Flying Wild Hog! - TA
Rating
9/10