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Ich will doch nur spieln

#1: Another Break in the Quantum

Wie sieht das landläufige Bild eines Gamers aus? Glaubt man RTL und einer gewissen Dokumentation über die gamescom und ihre Besucher, sind Spieler dick, haben lange, fettige Haare, riechen unangenehm und haben keine Freundin. Beziehungsweise Frau. Kein Wunder – würden sie auf offener Straße doch direkt mit dem Yeti verwechselt! Und so verbringen sie den lieben langen Tag damit, in einem kleinen dunklen Kämmerchen vor dem Monitor zu sitzen und das Internet unsicher zu machen. Auf welchen Webseiten auch immer… Bestimmt gibt es solche Exemplare – irgendwo da draußen. Aber der durchschnittliche Spieler ist das nicht. Hoffentlich.

Bin ich das? Also, ein durchschnittlicher Spieler. Weiß ich nicht. Die Welt der Videospiele begleitet mich mittlerweile seit meinem halben Leben. Ich bin aktuell 31 Jahre jung, verheiratet, habe einen Sohn und leite pi mal Daumen 10 Stunden am Tag das Marketing in einem mittelständischen Unternehmen. Hätte ich mir das mit unwissenden 16 Jahren vorgestellt, hätte ich mich wohl oder übel gefragt, wo und wann ich denn dann noch die Zeit zum spielen hernehmen soll?!? Und ganz ehrlich – zwischen Eheleben, Arbeitzeit und vollen Windeln frage ich mich das immer wieder. Das Leben eines verheirateten, berufstätigen Spielers samt Sohnemann ist mit so manchen Ecken, Kanten und Interessantem gesegnet. Positiv, natürlich.

Finnen-
Fanboy

Ich gebe es offen und ehrlich zu: Seit ich anno 2000 Max Payne gespielt habe, bin ich ein Remedy-Fanboy. In Sachen Story sind die Spiele einfach unschlagbar. Und seitdem habe ich kein Spiel der Finnen ausgelassen. Habe mich wie Bolle über die Ankündigung von Alan Wake gefreut, über die X360-Exklusivität gewütet (ich bin PC-Spieler mit Herz und Blei!) und mich dann wieder wie Bolle über die PC-Version gefreut – auch wenn die verdammt verspätet kam. Das war im Februar 2012. Microsoft hat sich zu der Zeit wirklich keine Freunde gemacht. Und das wurde im Mai 2013 auch nicht besser, als (schon wieder!) Microsoft den neuen Remedy Quantum Break exklusiv für die XONE ankündigte.

Lange Rede, kurzer Sinn: Quantum Break erschien doch tatsächlich zeitgleich für XONE und den PC – als grauenhafte Version mit Windows 10-Zwang und mehr Hardware-Hunger als ein NASA-Rechenzentrum. Mangels Windows 10 verflog die Freude recht flott – bis zum denkwürdigen 10. August 2016. Erst abends im Bett habe ich auf dem Handy die Ankündigung der Quantum Break: Timeless Collector’s Edition gelesen – und mich wieder gefreut wie Bolle. 1. Quantum Break für Steam! 2. Kein Windows 10-Zwang! Und 3. eine Box-Version mit Making-Of-Disc, Soundtrack-CD und noch mehr Extras! Und da bin ich altmodisch: Ich stehe auf Verpackungen im Regal, Making-Ofs und Soundtrack-CDs!

A Break in
the Quantum

Ich muss gestehen, dass ich mich auf den Release am 29. September so gefreut habe, dass ich zwei Tage Urlaub eingereicht habe. Und da ich gerne pünktlich in Quantum Break aufbrechen wollte, bestellte ich nicht im Internet, sondern schaute kurz nach Öffnung beim nächstgelegenen Saturn vorbei. Im Regal keine Spur vom Spiel, deshalb zur Info: „Die Quantum Break PC-Version gibt es seit heute, ja. Haben wir aber nicht hier. Können wir bestellen – ist am Montag da.“ Da habe ich noch dankend abgelehnt, ich hatte keine Lust warten. Außerdem fiel mir in meinem unbändigen Optimismus noch eine Anlaufstelle ein. Also weiter zum MediMax – und zum nächsten Regal und Händler ohne Quantum Break. Stimmung: Verwundert bis so lala. Optimismus-Grad: sinkend.

Danach wollte ich auf Nummer sicher gehen: In einer kleinen Stadt wie Köln, sollte doch eine Lieferung der Box angekommen sein. Bei schönstem Sonnenschein auf dem kürzesten Weg nach Köln, beim Kaufhof geparkt und per Rolltreppe nach ganz oben. Saturn, die Zweite – und das zweite Saturn-Regal ohne Quantum Break. Verkäufer gesucht, Verkäufer gefunden, Verkäufer gefragt. Der zweite Blick ins Saturn-System, und zum zweiten Mal die Antwort: „Die Quantum Break PC-Version gibt es seit heute, ja. Haben wir aber nicht hier.“ Bestellen wollte der Saturn in Köln scheinbar gar nicht erst. Spätestens da habe ich mich zum ersten Mal gefragt, ob ich mich im Datum oder im Universum geirrt habe.

Stoppt die
Spezialisten!

Nach dem zweiten Saturn-Besuch sah der aktuelle Stand wie folgt aus: Stimmung: Genervt bis gereizt. Optimismus-Grad: Irgendwo auf Fußsohlenniveau. Aber eine letzte Chance gab es noch. Wer schon einmal die Innenstadt von Köln von Innen gesehen hat, der kennt den kürzesten Weg vom Saturn zum Media Markt: Quer durch die Einkaufszone – vom einen Ende zum anderen. Angekommen – und zwei Minuten später war ich auch schon wieder raus. Ohne Quantum Break. Nur um die nahezu identische Antwort ein viertes Mal gehört zu haben. In meiner Verzweiflung habe ich dann etwas getan, das ich sonst nie tue (und auch nie wieder tun werde) und bin zu GameStop gegangen.

Die Suche im Laden habe ich mir gespart – zumal ich mir als PC-Spieler ganz leicht deplatziert vorgekommen bin. Verpackungen ohne XONE- oder PS4-Logo gab es gefühlt nicht. Also bin ich direkt zum Thresen und habe den Spezialisten dahinter gefragt, wie es denn mit der Quantum Break PC-Version aussähe. Die O-Ton-Antwort: „Quantum Break gibt es doch gar nicht für den PC.“ Spätestens an dem Punkt und bei einer solchen Antwort – strozend vor geballtem Fachwissen – war die Stimmung dann ganz ganz schlecht – irgendwo zwischen Gefrierpunkt und Minustemperaturen. Und der Optimismus? Welcher Optimismus? Was ist das überhaupt?

Amazon
Ending

Und gleich eine Entwarnung: Ich habe den GameStop-Spezialisten nicht über den Thresen gezerrt und ihn nicht mit XONE- und PS4-Verpackungen gefüttert – Spiele machen ja schließlich nicht agressiv! Das Resume des Tages kann man ja auch einfach positiv sehen: Ich bin vielen Menschen begegnet, habe mich bewegt, habe die Kölner Innenstadt besichtigt und das schöne Wetter direkt am Rhein genossen. Nachher hätte ich an meinem Urlaubstag Langeweile gehabt – und das wäre ja nicht auszudenken gewesen! Oder hätte den ganzen Tag in einem kleinen dunklen Kämmerchen vor dem Monitor gesessen und gespielt. Oder das Internet unsicher gemacht – auf welchen Seiten auch immer…

Quantum Break befindet sich mittlerweile übrigens auf meiner Festplatte, die Box steht im Regal. Zuhause habe ich am späten Donnerstag Nachmittag die Quantum Break: Timeless Collector’s Edition bei Amazon bestellt – und am Samtag Morgen war das Spiel da. Ich glaube einmal gehört zu haben, dass sich der deutschen Einzelhandel darüber beschwerrt hat, dass die Kunden die Ladenlokale nur noch nutzen, um sich über Produkte zu informieren – um sie dann günstiger im Internet zu bestellen. Aber liebe Saturns, Media Märkte, MediMäxe und GameStop-Spezialisten da draußen, wen wundert es nach der Geschichte, dass der Kunde lieber da bestellt, wo er seine Ware auch pünktlich bekommt?

Pro / Con
  • Quantum Break: Timeless Collector’s Edition
  • Release am 29. September 2016
  • Kein Windows 10-Zwang
  • Box-Version mit Making-Of-Disc, Soundtrack-CD und noch mehr Extras
  • Remedy Entertainment
  • Saturn
  • Media Markt
  • MediMax
  • GameStop