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Silence

TEST: In einer Welt zwischen Leben und Tod

Leise rieselt der Schnee. Und wenn schon nicht samt Eisblumen draußen vor der Fensterscheibe, dann zumindest auf dem Monitor. Also, leise rieselt der Schnee auf ein malrisches Bergdorf, das langsam unter einer dicken, weißen Decke verschwindet. Eine friedliche Stille macht sich breit. Kinder tollen herum, bauen einen Schneemann, Schneebälle fliegen. Eine Sirene heult – und mit den dicken Flocken fallen Bomben vom Himmel. Es herrscht Krieg. Noah kann mit seiner kleinen Schwester Renie im letzten Augenblick Zuflucht in einem Bunker suchen, bevor der Bombenteppich auf das Bergdorf fällt und Explosionen die Winterlandschaft in ein Chaos aus Schutt, Asche und Feuer verwandeln.

Silence im Test!

Tiefschwarze Dunkelheit macht sich breit. Und als Noah die Augen wieder öffnet, ist seine kleine Schwester verschwunden. Spurlos. Panisch macht er sich auf die Suche – und realisiert schon bald, dass er sich nicht mehr im Bunker befindet. Chaos, Dunkelheit und Angst haben einen Übergang in die Welt zwischen Leben und Tod geöffnet: Nach Silence. Aber auch hier herrscht Krieg, und so steht Noah schon bald vor der Aufgabe nicht nur seine Schwester zu retten, sondern sich auch um das Schicksal der Welt Silence zu kümmern, die sich seit seinem letzten Besuch in einen idyllischen, aber bedrohlichen Ort verwandelt hat.

Zurück in
die Stille

Seit 2009 ist ein wenig Zeit vergangen, aber es erinnert sich garantiert der eine oder andere an die geflüsterte Welt und die Geschichte des traurigen Clowns Sadwick. Auch wenn sich der Stil des Spiels verändert hat, ist Silence der Folgetitel von The Whispered World. Und drei Mal dürft ihr raten, wer Noah denn nun eigentlich ist… Es hat sich aber nicht nur der Stil verändert, auch die Handhabung. Silence ist kein typisches Adventure, in dem Noah mit einer Tasche samt integriertem schwarzen Loch herumstolpert und alles reinstopft, was nicht niet- und nagelfest ist. Benötigte oder hilfreiche Objekte sind da zu finden, wo sie auch gebraucht werden. Aber auch als untypisches Adventure funktioniert die Handhabung Adventure-typisch: Mit der Maus.

Silence im Test!

Man kann sich nun darüber streiten, ob Silence kein „echtes Adventure“ oder „zu einfach“ ist. Hin oder her, auf jeden Fall gewinnt dabei der Spielfluss. In der geflüsterten Welt waren die Rätsel knackig und Hinweise verdammt rar gesäht. Das Ergebnis: Ein immer wieder stockender Spielfluss. Das macht Silence bedeutend besser – zumal es die Geschichte um Noah, Renie, Spot und Silence wirklich verdient hat, flüssig erzählt zu werden. Denn sonst könnte das Spiel die Emotionen, die aufgebaut werden, nicht so gut rüberbringen. Und emotionale Momente säht Silence immer wieder – angefangen bei der Bombardierung des Dorfes gleich zu Beginn bis zu den verschiedenen Enden.

Klein, grün
und rund

Wer die geflüsterte Welt gesehen oder sich Material zu Silence angeschaut hat, der hat auch den kleinen, grünen, runden und vor allem wahren Helden des Spiels gesehen: Spot. Und wer oder was ist Spot? Spot ist – ja, was ist Spot eigentlich? Im knuffigen Normalzustand ist er eine entwaffnend lächelnde Raupe mit riesigen Kuller-Augen – und bei dem Hundeblick wird so mancher Klavierspieler neidisch. Er macht aus dem Duo um Noah und Renie ein Trio und hat eine wandelbare Sidekick-Rolle. Denn immer dann, wenn Noah oder Renie nicht mehr weiter kommen, gibt es garantiert eine Möglichkeit, wie Spot den beiden helfen kann – in welcher seiner Formen auch immer. Spielbar sind alle drei Charaktere.

Silence im Test!

Muss Renie einen Abgrund überqueren hilft Spot in Brett-Form aus. Als fünf kleine Spot-Kugeln kann er durch jedes noch so kleine Loch kullern. Insgesamt gibt es mit Spots „Normalform“ über neun Formen, die auch miteinander kombiniert werden müssen. Neben dem einfachen Suchen und Verwenden der Objekte auf dem Schirm (im Gegensatz zum Vorgänger inklusive Hilfefunktion) gibt es auch ein paar Minispiele, die das Gameplay auflockern. Besonders den Minispielen merkt man an, dass Silence auch für Konsolen entwickelt wurde. Alles funktioniert auch mit Maus und Tastatur, fühlt sich aber mit Gamepad intuitiver und einfach besser an. Man hat also die Wahl.

Der Klang
der Stille

Und die hat man in Silence übrigens öfter. Antwortet Noah im Dialog freundlich oder patzig? Agressiv oder friedfertig? Im Dialog hat die Wahl nur Auswirkung auf die Reaktion des Gegenüber, der Ausgang ist immer gleich. Möglicherweise werden unterschiedliche Steam-Achievements freigeschaltet – mehr aber auch nicht. Wer die Augen offen hält und alles mögliche in der Welt ausprobiert, der entdeckt auch allerlei (teils umwerfend verrückte, teils süße) Interaktionen, die nicht storyrelevant sind. Aber relevant hin oder her, eins ist die stille Welt auf jeden Fall: Stimmig, wunderschön und sprühend vor fantastischen Ideen. Und Humor. Oder schillernden Bewohnern. Wann hat man schließlich schon mal die Chance, die Stones zu treffen?!? Also, hautnah!

Silence im Test!

Whispered World-Spielern stolpern immer wieder über alte Bekannte, aber auch über allerlei Neue und Neues. Allen voran die Sucher, die Silence im wahrsten Sinne des Wortes unsicher machen und mal eben die ganze Welt bedrohen. Und dabei ist die stille Welt doch so schön. Die Entwickler verknüpfen die Vorzüge von tollen 3D-Charakteren und Effekten mit einer Welt, die aus verschiedenen Ebenen besteht und so auch Kameraspielereien zulässt. Schade nur, dass die Sequenzen im Spiel eher kurz ausfallen, denn auch akustisch passt alles wie Faust aufs Auge. Sei es nun die tolle Vertonung oder der echt gelungene Soundtrack – die Stille klang nie schöner!

Pro / Con
  • phantastische Spielwelt
  • viele emotionale Momente
  • nützliche Hilfe-Funktion
  • tolle Atmosphäre
  • verdammt viel Humor
  • wunderschöne Inszenierung
  • recht kurze Spielzeit (6 Stunden)
  • lange Ladezeiten zwischen Schauplätzen
Fazit
Zugegeben, es hat ein Weilchen gedauert, bis Silence erschienen ist. Aber das war es sowas von wert! Denn das Spiel erzählt auf eine ergreifende Art und Weise eine Geschichte um Geschwister, Leben und Tod und lässt dabei eine wunderschöne Welt auf dem Monitor lebendig werden. Dass Silence dabei kein „echtes“ Adventure ist, verzeihe ich dem Spiel gerne. Ich muss es wirklich nicht bockschwer haben - und erlebe so die Atmosphäre, die Gefühle und die Geschichte der stillen Welt ohne Löcher. Zwei Knackpunkte gibt es aber: Die langen Ladezeiten zwischen den Schauplätzen kratzen ein wenig an der Atmosphäre und insgesamt ist Silence mit 6 Stunden recht kurz. Mehr von alledem hätte es gerne sein dürfen. - TA
Rating
8/10