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STRAFE

TEST: Shoot it like 1996!

Es ist 1996. Es klingelt an der Tür. Er macht auf – vor der Tür steht sein Freund. “Meine Freundin ist weg und bräunt sich. In der Südsee.” “Allein?” Er zuckt mit den Schultern: “Ja, mein Budget war klein.” “Na fein. Herein. Willkommen im Verein!” Sie gehen in sein Zimmer. “Meine ist auch weg.” “Und was machen wir nu?” Auf dem Schreibtisch läuft der Rechner, die Röhre flimmert und ein Spiel ist an. “Wie wär’s mit ‘ner Runde zocken? Ich hab ‘nen neuen Shooter da. Total schnell und total blutig! Total verrückt und bockschwer! Einmal gestorben geht’s wieder von vorne los!” “Cool! ‘Ne Runde zocken?”

STRAFE im Test!

So (oder so ähnlich) sah die Freizeit zurückgelassener Freunde 1996 aus. Mit Postern von Michael Jackson an der Wand, den fetten Broten und den Toten Hosen. Dazwischen die Nationalelf aus der Bravo Sport: Häßler, Köpke, Klinsmann, Strunz. Und STRAFE auf dem Monitor. Einem Shooter der alten Shoole – mit großkalibrigen Vorbildern wie dem DOOM-Marine oder dem blonden Duke. Und was bedeutet das? Schnelle Action aus der Ego-Perspektive, viele Waffen, viele Gegner und einige dutzende Liter Blut, die über den Monitor pixelten.

Play it
like 1996

Heute sehen erfolgreiche Spiele anders aus. Ohne cineastische Krach-Bum-Action und Ausflügen in die Meuchelmörder-Ahnen-Vergangenheit lässt sich kein Spieler mehr aus dem dunklen Kämmerchen locken. Kein Wunder, 21 Jahre sind eine lange Zeit – und die Uhren haben sich weitergedreht. Der Sekundenzeiger ist seitdem 10.886.400 Mal ums Ziffernblatt gewandert. Zeit genug also, um so manchen guten, alten Trend wieder in Mode kommen zu lassen. Schließlich kommt alles irgendwann wieder. Und was damals gut war, klappt doch sicher heute auch noch! Oder?

STRAFE im Test!

Genau das haben sich die Pixel Titans auch gedacht und mit zwei Mann angefangen, eine Symbiose aus der “guten alten Zeit” und aktuellen Spielen zu basteln. Einen Shooter, basierend auf dem “schnell-und-einfach”-Game-Design der 90er Jahre und den Möglichkeiten von heute. Obwohl, nicht so ganz. Denn gemäß dem Motto “Play it like 1996” haben die pixeligen Titanen den Actioner auf alt getrimmt – mit grob-pixeligen Texturen, grob-kantigen Modellen und grob-einfachen Baukasten-Levels. Aber – und das hat man 1996 voraus – mit einer kompletten grob-dreidimensionalen Grafik!

ICARUS
calling

Die ICARUS wurde ans entfernteste Ende der Galaxie geschickt, um unbekannte Territorien zu erkunden und unermessliche Reichtümer, Ruhm und Ehre mit nach Hause zu bringen. Aber (so wie sich das gehört!) bricht der Kontakt zur ICARUS ab. Und wie sollte es auch anders sein: Der Spieler wird entsendet, um nachzusehen, was an Bord der ICARUS vor sich geht. Und warum alle zu faul sind, den Hörer abzunehmen. Die Teleportverbindung funktioniert und mit einer Waffe in der Hand (nur für den Fall!) geht’s Richtung ICARUS. Mal ganz ehrlich: Was kann denn schon groß schief gehen?!?

STRAFE im Test!

Dumme Frage. Alles natürlich! Ein paar miese-fiese Monster und Lebensformen haben sich auf dem Schiff breit gemacht – und die halten nicht viel vom Telefonieren. Und die Mitglieder der Crew liegen in Einzelteilen faul und unproduktiv in der Gegend herum. Weil natürlich der Rückteleport nicht funktioniert, muss der Spieler nun wohl oder übel die ICARUS erkunden – und das ganze Dilemma an einem Stück überleben. Zum Glück hat man eine Schrotflinte, Railgun oder ein Maschinengewehr in der Tasche. Nur für den Fall! Die Wahl trifft der Spieler ganz zu Beginn auf dem heimischen Schiff bevor es via Teleport Richtung Schlachteplatte geht.

Roguelike
in Red

Neben der ICARUS gibt es noch drei Welten; jede der vier Welten ist in drei Levels unterteilt. Ganz roguelike baut das Spiel die Levels aus verschiedenen Bausteinen zufallsgeneriert auf und ordnet alles bei jedem Neustart komplett anders an. Die gleichen Räume und Abschnitte erkennt man schnell wieder, die Abfolge variiert. Ebenso verteilt STRAFE die Gegner, Medikits und Munition zufällig in den Levels. So erschummelt sich der Actioner vermeintliche Abwechslung, die in Wahrheit keine ist. Nötig wäre es aber, denn gestorben wird schnell. Und oft. Dank Roguelike-Permadeath ist tot auch wirklich tot – und heißt: Neustart! Speichern ist schließlich was für Weicheier.

STRAFE im Test!

Und STRAFE ist nun wirklich kein Spiel für Weicheier! Denn man hält es von Vorn bis Hinten frei nach den Rolling Stones: Paint it Red. In STRAFE schlägt ein blutrotes Herz, das sogar einen eigenen Namen hat: Das Über-Gore System. Gegner lassen sich in ihre Einzelteile zerlegen, Blutfontänen spritzen meterhoch, Fleischbrocken kullern herum. Boden, Wände und Decken werden frisch gestrichen. Genauso schnell beißt man aber auch selbst ins Gras, denn Rüstung, Medipacks und Munition sind selten. Dafür ist die Zahl der Gegner immer wieder verdammt hoch (bis verdammt unfair). Oft rennt man rückwärts und haut den (Struuunz-dummen aber massigen) Feinden die leeren Waffe um die Ohren.

Find a
Secret

Die lassen neben literweise Blut auch Schrott oder Credits zurück. Aufgesammelt lässt sich an (zufällig) verteilten Automaten Schrott in Munition oder Rüstung tauschen. Die Preise sind aber verdammt gesalzen. Offene Augen lohnen sich, auch weil die Entwickler in den Levels allerlei Geheimnisse versteckt haben, die seltenst leicht zu finden sind. Risse in Wänden verbergen geheime Räume, Schüsse auf Schalter öffnen Tore. Da gibt’s Heilung, Rüstung oder manchmal besonders mächtige Wummen, wie die “Superhot Supershot”. Eine doppelläufige Schrotflinte, die das Spiel in den Zeitlupen-Shooter SUPERHOT verwandelt, bis das Magazin leer ist.

STRAFE im Test!

Solche coolen Anspielungen gibt es in STRAFE an allen Ecken und Enden, man muss nur die Augen offen halten. A propos Augen offen halten: Insgesamt präsentiert sich der Actioner mit seinem Pseudo-1996-Stil sehr cool und stimmig. Alle Infos sind im Helmvisier untergebracht, die Magazinkapazität steht auf den Waffen, die Levels sind kantig, die Effekte einfach. Trotzdem, STRAFE macht Laune und ist immer wieder für eine schnelle Nummer zwischendurch gut – alle vier Welten zu beenden dauert auch nicht ewig. Bis dahin wird es aber einige Tode, Neustarts und zufällig generierte Levels dauern. STRAFE ist eben nix für Weicheier.

Pro / Con
  • schnelle & einfache Action
  • cooler 1996-Retro-Stil
  • massig Anspielungen auf andere Games
  • zufallsgenerierte Levels & Inhalte
  • fordernder Roguelike-Shooter
  • stellenweise unfair
  • Level-Bausteine wiederholen sich
  • kurze Spielzeit (3 Stunden)
Fazit
STRAFE und die Pixel Titans bestätigen das, was auch DOOM und id Software vorgemacht haben: Das gute, alte “schnell-und-einfach-Ballern-bis-der-Zeigefinger-blutet” Spielprinzip greift auch heute. Und macht Spaß wie vor 20 Jahren! Auch wenn STRAFE noch ein paar Schritte weiter geht und alles als Roguelike-Shooter aufzieht - und so deutlich fordernder ist. Egal, der Actioner macht Laune - und ist für ein, zwei bleihaltige Stunden mit massig Gegner, massig Blut und massig Anspielungen auf andere Games immer gut. Für mehr reicht es nicht, mehr steckt aber auch nicht drin. Und mehr will STRAFE auch gar nicht sein. - TA
Rating
7/10