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RiME

TEST: Der kleine Mann aus dem Meer

Für viele sieht der perfekte Sommerurlaub in etwa so aus: Blauer Himmel, weißer Sandstrand und tiefblauer Ozean bis zum Horizont. Passend dazu ein Badetuch. Nicht für den Strand, sondern zwecks Reviermarkierung in Sachen Liege. Oder Strandkorb. Weniger urlaubsparadiesisch wäre es aber, vom tiefblauen Ozean an den weißen Sandstrand gespült zu werden. Ohne zu wissen, wo man sich befindet. Oder was überhaupt passiert ist. Und feststellen zu müssen, dass sich ansonsten kein menschliches Wesen auf der angrenzenden Insel befindet. Nur die Ruinen einer alten Zivilisation.

RiME im Test!

RiME erzählt eine bewegende Geschichte. Und hat selbst eine bewegte Geschichte hinter sich. Ursprünglich einmal vom spanischen Entwickler Tequila Works exklusiv als Titel für die Konsole aus dem Hause Microsoft geplant, kam RiME schließlich als exklusiver PS4-Titel beim Konkurrenten Sony unter. Aber auch aus dem zweiten exklusiven Anlauf wurde nix, die Beziehung war wenig glücklicher Natur und die Entwickler kauften schließlich die Rechte von Sony zurück. Das (glückliche) Ende vom Lied: RiME ist bei einem unparteiischen Publisher-Duo untergekommen und durfte ohne Exklusiv-Korsett erscheinen.

Der kleine
Mann…

Im weißen Sand schlägt ein kleiner Junge die Augen auf. Er liegt mit seinem roten Umhang bäuchlings im seichten Wasser der Brandung. Was ist passiert? Nichts Genaues weiß man nicht. Er rappelt sich hoch – und steht vor einer steil aufragenden Felsenküste. Und genau ab dem Punkt spart sich Rime jegliche weitere Erklärung, man abenteuert einfach fröhlich drauf los. Da am Strand bis auf Krabben und Möwen kein Leben zu finden ist, erklimmt der kleine Mann ein paar Felsvorsprünge, hangelt sich an ein paar Abhängen entlang und steht ein paar Minuten später auf dem Plateau der Steilküste – mit direktem Blick auf eine mysteriöse Ruine.

RiME im Test!

An dem Punkt beginnt eine Reise voller Sinnbilder, die dem Spieler eine berührend-poetische Geschichte erzählt. Natürlich geht es dabei um die Vergangenheit des kleinen Jungen mit dem roten Umhang, die (natürlich) mit seinen wiederkehrenden Erinnerungen nach und nach aufgedeckt wird und (natürlich) mit den Ruinen und Geschehnissen auf der Inselwelt zu tun hat. RiME wirft zu Beginn allerlei Fragen in den Ring, die bis zum Ende motivieren: Was ist auf der Insel passiert? Was sind die düsteren Schattenwesen? Und woher kommen sie? Und wer ist die Gestalt mit dem roten Cape, die immer wieder in den Ruinen auftaucht und spurlos verschwindet?

… aus dem
Meer

Auf seinem Weg gibt es für den Jungen so einiges zu tun: Das Repertoire von RiME reicht von action-adventure-typischen Klettereinlagen über allerlei verschiedene Schalter- und Perspektiven-Rätsel bis hin zu kleinen Survival-Einlagen, in denen der Spieler sich nicht von einem riesigen, mies gelaunten Greifvogel oder den schwarzen Schattenwesen erwischen lassen sollte. Ansonsten geht’s dem Junge an den Kragen. Rime sichert das Spiel aber automatisch und die Speicherpunkte sind fair platziert, so dass kommt kein Frust aufkommt. Die Rätsel sind anspruchsvoll, mutieren aber nie zu frustrierend harten Kopfnüssen, die Trial-and-Error nötig machen würden.

RiME im Test!

Dabei wechselt RiME immer wieder zwischen weitläufigen und schlauchigen Locations. Auf der Flucht vor dem Greifvogel muss der Junge auf weitem Feld immer wieder in Ruinen Deckung suchen, sonst wird er zu Vogelfutter. Unter Wasser darf er ein großes Areal tauchend erkunden. Auch geklettert wird öfter in umfangreicheren Arealen, die gleich mehrere Wege bieten. Dabei führt die Reise den Jungen nicht nur in die Ruinen am Strand, sondern auch in dunkle unterirdische Areale, in verfallene Bauten im Ozean oder mysteriöse palast-ähnliche Anlagen, in denen riesige, zweibeinige Roboter-Wesen verstreut liegen. Geleitet wird der Knirps immer wieder von einem kleinen Rotfuchs, auf ihn wartet und ihm den richtigen Weg weist.

Wunderschöne
Einsamkeit

RiME ist in jeglicher Hinsicht ein ruhiges Spiel. In Sachen Gameplay wird der Spieler nie groß unter Druck gesetzt oder muss schnell reagieren. Gleiches gilt auch für den kleinen Jungen selbst. Die Entwickler erzählen die Geschichte der Reise vollkommen ohne Vertonung. Alles erschließt sich aus dem, was der Spieler auf dem Monitor sieht. Indikator ist der Junge, der sich freut, Angst hat oder traurig ist und die Gefühle auf den Spieler überträgt: Die Bindung zwischen Spiel und Spieler funktioniert. Besonders am Ende der Reise, wenn so langsam klar wird, auf welchem Weg der Spieler den kleinen Jungen mit dem roten Umhang begleitet hat.

RiME im Test!

Und der führt über und durch eine bildschöne Insel, die irgendwo vor der griechischen Mittelmeer-Küste zu finden sein könnte. Es gibt das blaue Meer und den weißen Strand, aber auch grüne Weiten und kleine Wälder. Bauten und Spuren der ehemaligen Bewohner finden sich überall – und der Spieler erkundet sie. In der Welt sind nämlich auch allerlei Extras versteckt. Und die ist mitunter sehr weitläufig und beeindruckend – gleich in vielerlei Hinsicht. Untermalt wird die Reise von wirklich umwerfend schöner und atmosphärischer Musik, die mal imposant und mal melancholisch ist. Aber immer passend. RiME ist ein kleines Kunstwerk, das sehr stimmig und stilsicher und außerdem sehr spielenswert ist!

Pro / Con
  • Abwechslungsreiches Gameplay
  • Motivierende Handlung
  • Toller Grafikstil
  • Emotionale Handlung
  • Gelungene Atmosphäre
  • Viel zu entdecken!
  • Einige Längen im Spiel
  • Nur 6 Stunden kurz
Fazit
Wenn auch sehr pathetisch, hat der Volksmund mit den vielen schlauen Sprüchen die es landauf landab gibt, auch verdammt oft Recht. Für Rime gibt es auch einen, der ganz gut passt: “Gut Ding will Weile haben.”. Und Rime ist ohne Frage ein “gut Ding”, das eine Weile gebraucht hat! Es erzählt ruhig die Geschichte der Reise des kleinen Jungen mit dem roten Umhang, die von vielen Fragen lebt und damit den Spieler bei Laune hält. Ab und an gibt es ein paar Längen, aber die Atmosphäre und die Stilsicherheit von Rime wetzen die Scharte aus. Rime ist eine Erfahrung - und ein Spiel, das Emotionen weckt. - TA
Rating
8/10