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Friday the 13th

TEST: Camping-Ausflug mit Hindernissen

Jedes halbwegs taugliche Elternpaar gibt seinen Sprösslingen irgendwann einen wichtigen Tipp mit auf den Lebensweg: “Du darfst andere Kinder nicht ärgern!”. Manch ein Kind nimmt es sich zu Herzen, andere nicht – und das kann böse Folgen haben… Der kleine Jason wurde von anderen Kindern im Feriencamp Crystal Lake geärgert und gehänselt, weil sein Gesicht entstellt war. Er stürzte in den See und – weil die Aufseher besseres zu tun hatten – ertrank er. Seine Mutter rächte sich recht blutig an den Verantwortlichen, das Camp wurde geschlossen. 20 Jahre später wurde es wiedereröffnet – und dreimal dürft ihr raten, an welchem Tag das war? Kleiner Tipp: Nicht Montags…

Freitag der 13. im Test!

Und wie es sich für einen ordentlichen Teenie-Slasher-Horror gehört, stieg Jason an besagtem Tag aus seinem nassen Grab, um ein paar Halbstarke zu tranchieren. Und was 1980 als Film funktioniert hat, das sollte doch knapp 40 Jahre später auch als Spiel funktionieren – so der Gedankengang von IllFonic und Gun Media. Und so wurde mit Freitag der 13. ein Mehrspieler-Actioner angekündigt, in dem Spieler wahlweise in die Rolle des maskierten übellaunigen Nichtschwimmers oder der halbstarken Klischee-Meute schlüpfen, und entweder ums Überleben oder aber ums möglichst blutige Ableben zu kämpfen.

Camping ist
gefährlich

Klingt nach angenehm düsterer Survival-Horror-Action am lauschigen Badesee? Ganz richtig! Und so inszeniert das Spiel die Partien auch: Ein Trupp Klischee-Teenager möchte am dunklen See campen, weil Klischee-Teenager das nun mal so machen. Sie machen Feuer und werfen ihre Bierdosen in den See. Jason findet’s doof, und möchte deshalb am liebsten alle einen Kopf kürzer machen. Und so stehen sich alsbald die schlotternden Teenies und ein riesiger Hüne mit Hockeymaske und Machete gegenüber. Und dann gibt’s den Startschuss zum fröhlichen Wettlauf für Gejagte und den Jäger.

Freitag der 13. im Test!

Und ja nachdem, auf welcher Seite man steht, spielt sich Freitag der 13. auch natürlich vollkommen unterschiedlich. Jasons Ziel ist es, alle Halbstarken zu töten – egal auf welche Art und Weise. Die Teenager müssen den Campingausflug möglichst überleben, aber dafür bedarf es mehr, als sich nur vor dem Riesen mit der Hockeymaske zu verstecken. Sie müssen entweder ein Auto reparieren oder ein Boot wieder gangbar machen, um Jason zu entkommen. Alternativ genügt auch ein Anruf bei der ansässigen Polizei, aber dann gilt es weiterhin so lange zu überleben, bis man die rettenden Polizeiwagen erreicht hat. Aber da hat Jason auch noch ein kleines Wörtchen mitzureden.

Beam me
up, Jason!

Als wiederauferstandener Killer ist Jason natürlich etwas mächtiger als ein paar dahergelaufene 0815-Halbstarke. Er hat eine Reihe von übersinnlichen Kräften, die das Ableben der Gejagten deutlich erleichtern. Wer die Filme gesehen hat weiß, dass die Verfolgungsjagden etwas “unglücklich” geschnitten waren – und das haben die Entwickler gleich als Feature eingebaut: Jason kann sich teleportieren und erreicht so auch weiter entfernte Orte recht schnell. Alternativ kann der Macheten-Mann seine Ziele mit einer Infrarot-Sicht auch durch Häuserwände erkennen und ist so deutlich im Vorteil.

Freitag der 13. im Test!

Machen die Flüchtenden zu viele Geräusche, sind sie für Jason sichtbar – und da hilft es der blonden Cheerleader-Schönheit auch nicht, dass sie sich unter das Bett der Blockhütte gezwängt hat. Oder der Klischee-Dicke in den Wandschrank. Der Mann mit der Maske holt sie aus dem Versteck und pustet ihnen auf die eine oder andere Weise das Lebenslicht aus. Die Kills inszeniert das Spiel – Jason-Typisch – ausufernd und blutig. Zeit, die die übrigen Flüchtenden dann tunlichst nutzen sollten, um sich das nächste Bett oder den nächsten Wandschrank zu suchen, bis irgendwann die Sheriffs auftauchen. Es ändert aber alles nichts daran, dass Jason durchweg zu mächtig wirkt.

Time for
Teamwork

Um zu entkommen, müssen die Teenager zusammenarbeiten. Beim Auto und dem Boot sind die Aufgaben identisch: Vehikel reparieren, eine Batterie besorgen und Sprit in den Tank füllen. Danach geht’s für die Überlebenden in die Freiheit. Das Zauberwort lautet “Teamwork”. Und genau das ist das Problem, wenn man mit anderen menschlichen Spielern online Freitag den 13. überleben will. Die Chance, dass bei sechs menschlichen Teenagern ein “Problemkind” dabei ist, das nicht auf den guten Rat seiner Eltern (“Nicht ärgern!”) gehört hat, ist groß. Und gemäß Murphys Gesetz war im Test auch bei fast jeder Partie ein Querschläger dabei.

Freitag der 13. im Test!

Freitag der 13. lässt es zu, dass Spieler eine laufende Partie verlassen. Das Problem dabei: Die übrigen Teenager werden erheblich geschwächt, einen KI-gesteuerten Ersatz für die laufende Partie gibt es nicht. Bots stehen noch auf der To-Do-Liste von IllFonic und Gun Media. So haben es die übrigen Spieler bedeutend schwerer, sich gegen Jason zu behaupten. Und wenn gleich mehrere Spieler das laufende Match verlassen, sinken die Chancen mit jedem “Flüchtling” rapide. Wer einmal ganz alleine versucht hat, das Auto oder das Boot wieder zum laufen zu bringen, der weiß, wovon ich rede.

Wir haben
ein Leck!

Die Mörder-Hatz hatte zu Beginn aber noch mit ganz anderen Problemen zu kämpfen: Auf Seiten der Teenager konnte es zum Release vorkommen, dass man urplötzlich tot war. Ohne Jason auch nur bemerkt zu haben. Der Grund: Die Server konnten dem Ansturm nicht standhalten und Spieler mit einem besseren Ping hatten unter der Hockeymaske alle Trümpfe in der Hand. Mehr Server und Updates haben hier mittlerweile für Besserung gesorgt, außerdem haben sich Entwickler und Publisher mit einer kostenlosen Erweiterung in Form von Zusatzinhalten für alle Spieler für den holprigen Start entschuldigt.

Freitag der 13. im Test!

Eine Vorlage wie Freitag der 13. ist nahezu perfekt, um eine stimmungsvolle Umgebung auf den Monitor zu zaubern: Den düsteren See, umgeben vom dunklen Wald, in dem man die Hand vor Augen nicht sieht. Eine unheilvolle Stille mit verdächtigen Geräuschen aus dem Unterholz. Bei einer funktionierenden Partie kann das Spiel diese Trümpfe auch ausspielen – auch und vor allem wegen dem tollen Soundtrack. Die Survival-Horror-Hatz hat aber auch immer wieder mit technischen Problemen zu kämpfen. Etwa Teenagern, die plötzlich ohne Beine unterwegs sind. Und das nicht, weil sie vorher Bekanntschaft mit Jason und seiner Machete gemacht haben.

Pro / Con
  • Zeitweise tolle Atmosphäre
  • Gelungener Soundtrack
  • Das Spielprinzip funktioniert...
  • ...wenn keine Querschläger dabei sind!
  • Sehr holpriger Start nach Release
  • Jason ist etwas zu mächtig
Fazit
Wenn ich ganz ehrlich bin, hatte ich gegenüber dem Spiel einige Bedenken, als ich die ersten Gameplay-Videos gesehen habe - aber dabei ging es um die Spielmechanik. Die funktioniert - wenn man keine Querschläger im Team hat - wider erwarten ganz gut, wenn auch Jason etwas zu stark ausfällt. Probleme hat der Survival-Horror-Thriller noch an einigen anderen Ecken und Enden, aber die Entwickler sind dran. Genauso wie an KI-Kameraden und einer Singleplayer-Erweiterung. Ich bin gespannt, wie die aussehen wird. Und hoffe inständig, dass beides nicht ein und dasselbe ist. - TA
Rating
6/10