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Ich will doch nur spieln

#2: Papa sein, Spieler bleiben?!?

Zugegeben, ich habe gedacht, dass ich öfter dazu komme, meine Gedanken oder Erfahrungen über das (Spieler-) Leben eines verheirateten Familienvaters hier zum Besten zu geben. Aber zwischen alltäglichen Abenteuern wie Familie, Arbeit und dergleichen lauert so manche Gefahr, die einem schnell einmal einen Strich durch die Rechnung macht. Und ich rede nicht von randvollen Windeln oder dicken Rändern unter den Augen. Nein, das Unwort lautet “Müdigkeit”. Nach neun Stunden Berufsleben und ein paar Stunden Familie sind Couch und Kissen irgendwie einladender als der Schreibtischstuhl…

Aber hey – Hand auf’s Herz: Dicke Ränder unter den Augen sind nichts Neues. Dafür muss man nicht feiern gehen, ein LAN-Wochenende wirkt dahingehend auch Wunder. Und bevor jetzt irgendjemand mit riesigen Fragezeichen in den Äuglein vor dem Monitor sitzt: Ja, ich bin schon so alt, dass ich noch die (guten alten) Zeiten kenne, in denen man seinen Rechner mit zu Freunden schleppte, um sie mit einem handelsüblichen Netzwerkkabel zu verbinden und sich in ein paar gepflegten Stunden (oder Tagen) mit Unreal Tournament oder Quake den Zeigefinger zu brechen. Und bevor noch jemand fragt: Ich bin 31 Jahre jung.

Spiele-Abend
definieren

Mann und Frau definieren einen Spiele-Abend mitunter leicht unterschiedlich. Ich denke an kleine aber feine LAN-Parties. Oder an ein Revival der Nacht vor zwölf (!) Jahren, als Obscure erschien und mein bester Freund und ich es in einem Rutsch durchgespielt haben. Frau denkt (mitunter) lieber an massentaugliche Brettspiele-Klassiker. (Es ist mir durchaus bewusst, dass es solche und solche Frauen gibt – aber ich gehe hier von meiner aus). Und die definiert auch “Spaß” mitunter leicht unterschiedlich. Ein Abend mit Schminke, Schmuck oder All-in-One-Küchenmaschinen-Wunderwaffen trifft aber meinen Geschmack nicht gänzlich.

Und ein eben solcher Abend stand wieder einmal ins Haus – aber zum Glück nicht in unseres! Das Potenzial für einen ungestört-ruhigen Abend vor dem Rechner sollte also gegeben sein. Schließlich geht der kleine Mann mit unter einem Jahr zeitig ins Bett und nutzt die folgenden Stunden in der Regel dafür, mit geschlossenen Augen sein Spucktuch fest zu halten. Erfahrungsgemäß meldet man sich das erste Mal gegen zwei oder drei Uhr morgens durch die Babyfon-Gegensprechanlage weil der Schnuller die Dreistigkeit besaß, aus dem Mund zu fallen. Oder man kurz vor dem Hungertod unbedingt zwei kleine Schlücke aus der Flasche braucht. Bevor man seelig weiter schlummert, natürlich.

Ich will doch
nur spieln

Es ist also Freitag. Der Schminke-und-Schmuck-Abend beginnt um 19:00 Uhr, und so fällt pünktlich um 18:30 Uhr die Wohnungstür ins Schloss und der Männerabend kann beginnen! Zumindest für die nächsten 30 Minuten, die ich mit dem kleinen Mann, seiner Flasche, seinem Lieblingsschnuller und einem Spucktuch auf der Couch verbringe. Planmäßig werden die kleinen Äugelein schwerer und schwerer, bis das Spucktuch über das Gesicht gezogen wird und der kleine Mann (verdächtig) friedlich einschläft. Nach dem Transport ins eigene Bett geht’s mit dem Babyfon ins Arbeitszimmer – sicher ist sicher!

Erinnert sich noch jemand an meine Odyssee “Another Break in the Quantum”? Es war damals gar nicht so einfach, die Box-Version von Quantum Break für den PC zu bekommen. Und seitdem war es gar nicht so einfach, das Spiel zu spielen… Die Box erschien vor knapp neun Monaten – und in den fast 280 Tagen (!) habe ich es nicht geschafft, mit Jack Joyce die Zeit zu retten. Kein Wunder, schließlich ist Zeit das Problem: Mit Job, Frau und Kind hat man immer zu wenig davon. Also muss man bei den rar gesähten Spiele-Abenden zuschlagen – so oft lässt eine gute Mutter ihr Kind schließlich auch nicht alleine.

Wo ist
die Zeit?

Wie lange ich schon nicht mehr gespielt habe merke ich, als ich Steam starte. Gefühlt möchte jedes installierte Spiel ein Update machen – und da hier im Grünen (wo sich Fuchs und Hase “Gute Nacht” sagen) Internetgeschwindigkeit ein spärliches Gut und “Glasfaserkabel” ein Fremdwort ist, vertreibe ich mir die halbe Stunde bis Quantum Break betriebsbereit ist mit Däumchen-Drehen. Zwischendurch knackt es im Babyfon und der kleine Mann schnauft, wälzt sich von rechts nach Links – wird aber nicht wach. Schwein gehabt! Dann flimmern die Logos über den Schirm, der Speicherstand lädt und ich will endlich mit Jack Joyce die Zeit retten! Übrigens ist Quantum Break genauso gut, wie ich es von Remedy erwartet habe!

Nach 15 Minuten kommt es, wie es kommen muss: Das Babyfon knackt wieder und der kleine Mann weint – und dass er weinend wach wird, passiert selten. Also Quantum Break auf Pause. Das Bett sieht aus wie ein Schlachtfeld und Krokodilstränen kullern aus den großen Augen. Auf dem Arm beruhigt sich der kleine Mann langsam wieder, macht die Augen zu und nickt ein. Ich lege ihn vorsichtig wieder hin – aber kaum liegt er auf seinem kleinen Kissen gehen die Augen wieder auf, die Unterlippe schiebt sich nach vorne und ein paar Sekunden später wäre der Protest wieder Tränen- und Gebrüll-reich geworden. Das vorschnelle Hinlegen hat den kleinen Mann dann gänzlich geweckt.

Auf dem
Spielteppich

Was macht man jetzt, um wieder Ruhe in die Sache zu bringen? Ich weiß nicht was anderswo hilft, ich lege Decke, Kissen und eine Lampe auf den Teppich, die bunte Sterne an die Decke zaubert. Der kleine Mann kommt aufs Kissen direkt vor die Lampe, ich daneben, die Decke über uns. Da Lichtquellen sowieso das Größte sind, wird mit großen Augen (ohne Tränchen!) die Lampe begutachtet, die immer wieder das Farbschema ändert: Blau, Rot, Grün, Gelb, Lila,… Der kleine Mann freut sich, spielt mit der Lampe, patscht darauf herum – und die Sterne an der Decke bewegen sich. In Blau, Rot, Grün, Gelb, Lila. Und langsam aber sich werden die Augen immer kleiner und kleiner…

Und wenn ich ehrlich bin, an mehr kann ich mich nicht mehr erinnern. Meine Frau ist so gegen 23:00 Uhr nach Hause gekommen und hat mich (wie angekündigt) vor dem Rechner vermutet. Aber da flimmerte nur der Pausenbildschirm von Quantum Break – seit etwa drei Stunden… Gefunden hat sich mich – oder besser uns – auf dem Teppich im Kinderzimmer. Ich bin auf der Seite eingeschlafen, mit dem Kopf direkt vor der Lampe. Der kleine Mann hat sich irgendwann an mich gekuschelt und ist auch eingeschlafen. Ich habe es ja gesagt – das Unwort lautet “Müdigkeit”. Und so nimmt dann ein Spiele-Abend auch schon einmal ein ungeplant spielfreies Ende. Obwohl, wir sind auf einem Autoteppich eingeschlafen. War also doch ein Spieleabend. Irgendwo.

Pro / Con
  • Ein freier Abend für Papa
  • Eine Schmuck-Partie für Mama
  • Ein Babyfon für den kleinen Mann
  • Quantum Break für Papa
  • Eine bunte Sterne-Lampe für den kleinen Mann
  • Ein Autoteppich für die Nacht
  • Rücken und Nacken am nächsten Morgen für Papa