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Black Mirror

GC17: Der erste Blick in den schwarzen Spiegel

Hat schon einmal jemand etwas von einer Stadt namens “Bielefeld” gehört? Kann gar nicht sein, Bielefeld gibt es nämlich gar nicht. Kleines Verschwörungstheoretiker-Einmaleins! Doof nur, dass ich vor nicht einmal einer Woche noch durchgefahren bin… “Und so zerbröselt der Verschwörungskeks.” Aber zumindest Adventures sind tot – das hat schließlich LucasArts vor 15 Jahren schon gewußt. Aber auch da zerbröselt der Keks, sonst hätte es eine Adventure-Reihe Namens BLACK MIRROR nie gegeben. Und THQ Nordic hätte kein Reboot angekündigt. Und auch nicht auf der gamescom gezeigt.

BLACK MIRROR Look von der gamescom 2017!

Man merke: Verschwörungstheoriene sind eine komplizierte Kiste. Halten wir uns also an die harten und beruhigenden Fakten: 1) Kurz vor der gamescom hat THQ Nordic das Reboot BLACK MIRROR angekündigt und 2) auf der Messe gezeigt und 3) ich habe es mit eigenen Augen gesehen! Vorab aber noch eine kurze BLACK MIRROR-Geschichtsstunde: 2003 erschien das düstere Adventure, war erfreulich erfolgreich und beflügelte das Genre – ältere Semester erinnern sich. 2009 und 2011 wurden dunkel-düstere Nachfolger mit den Nummern “2” und “3” veröffentlicht, die ähnlich erfolgreich waren und die Trilogie beendeten.

Schwarzer
Spiegel

Und um gleich zu Beginn noch ein paar Zähne zu ziehen: Es handelt sich bei dem neuen Teil nicht um “Black Mirror 4”, sondern um eine Neuinterpretierung des ersten Teils der Reihe. Vieles ist gleich – nicht zuletzt der Name des Spiels – aber THQ Nordic und KING Art Games machen auch vieles anders. Und neu. BLACK MIRROR bleibt BLACK MIRROR – es wird wieder düster und erwachsen, die Grundthematik des Fluchs, der auf der Familie Gordon lastet, ist natürlich auch mit an Bord. Und es bleibt ein Adventure. Mit The Raven und The Book of Unwritten Tales haben die Entwickler diesbezüglich auch einige Erfahrung.

BLACK MIRROR Look von der gamescom 2017!

Wie gesagt: BLACK MIRROR bleibt BLACK MIRROR. Und ein Adventure. Das Reboot soll das Beste aus den ersten drei Teilen bündeln – so der offizielle Plan. Die Entwickler verfolgen einige andere, neue und frische Ansätze, die nicht zuletzt auch dem Wandel des Genres und dem technischen Fortschritt geschuldet sind. Ein paar Beispiele gefällig? Die Familie Gordon ist mitsamt dem Familiensitz umgezogen – vom britischen Cornwall in die schottischen Highlands – was sich auch auf einige Namen im Spiel und nicht zuletzt auf die gezeigte englische Vertonung auswirkt, die mit einem wunderbar schottischen Akzent daherkommt. Eine deutsche Vertonung gibt’s natürlich auch. Aber ohne Akzent.

Adventure
light

Mit dem Reboot verabschiedet sich BLACK MIRROR von der bisherigen Point & Click-Manier und allem, was statisch dazu gehörte. Alle Locations und Charaktere sind schick detailliert und dreidimensional, besonders die Lichtstimmung gefällt. Gesteuert wird David Gordon mit der Tastatur und von Hotspot zu Hotspot gescheucht. Außerhalb der typischen Item-Sucherei sollen Spieler die Schauplätze möglichst umfangreich erkunden, da sich so Infos oder alternative Wege finden lassen, die sonst verborgen bleiben. Kombinations-Rätsel mit Objekten wird es übrigens keine geben, das Inventar dient nur zur detaillierten 3D-Ansicht der gesammelten Objekte inklusive Drehen, Zoomen und Co.

BLACK MIRROR Look von der gamescom 2017!

Der Fokus liegt auf dem Spielfluss – und was das in Sachen Schwierigkeit bedeutet, sollte klar sein: Fordernde Kopfnuss-Rätsel wird es nicht geben. Das Reboot wird im Vergleich also eher ein “Adventure light”. Noch ein Beispiel? Nachts ist es im Familiensitz der Gordons recht düster, und ohne Licht mag David nicht durch die dunklen Flure stolpern. Der Angsthase… Also macht er sich in seinem Zimmer auf die Suche nach Kerzen und Streichhölzern und fühlt sich mit dem flackernden Licht gewappnet, um auf Erkundungstour zu gehen. Dazu soll es auch einige Minispiele geben – aber immer nach dem Motto: “Störe nicht den Spielfluss!”.

Lovecraft
& Poe

In der Familie Gordon grassieren psychische Probleme. Davids Vater hat Selbstmord begangen – und auch er zweifelt ein wenig an seinem Verstand. Und das auch ganz zurecht. Unter diesem Aspekt verpacken die Entwickler den Part “Psycho-Horror” im Spiel. Befand sich der Spieler vor einer Minute noch in einer alten Kapelle wandelt sich die Location plötzlich in eine Unterwasserwelt-Kapelle: Algen wiegen sich, Fische schwimmen herum und eine Frau ertrinkt strampelnd in den Fluten. In diesen surrealen Sequenzen findet David mehr über die düstere Vergangenheit der Familie Gordon heraus – kann von den Geistererscheinungen auch getötet werden.

BLACK MIRROR Look von der gamescom 2017!

Da geht’s mitunter ganz schön heftig zur Sache. Man betont bei dem Gezeigten aber von offizieller Seite, dass es sich bei BLACK MIRROR um ein psychologisch-schauriges Adventure handelt, und nicht um einen blutigen Splatter-Schocker. Gut so – das wäre auch verdammt unpassend! Insgesamt soll es zwölf Stunden dauern, bis man Licht auf Geheimnis und Fluch der Familie Gordon wirft. Wer sich dabei etwas Zeit lässt und auf Erkundungstour geht, braucht noch ein paar Minuten länger. A propos Zeit: Allzu viel vergeht davon nicht mehr, bis BLACK MIRROR veröffentlicht wird. THQ Nordic und KING Art Games planen das cineastische Adventure pünktlich für die düsteren Herbsttage Ende November. Ganz ohen Verschwörung und Theorie. Versprochen.

Pro / Con
  • Black Mirror-Reboot
  • Release Ende November
  • 3D-Frischzellen-Kur
  • 12 Stunden Spielzeit
  • Fokus auf den Spielfluss
  • Inspiriert von Edgar Allan Poe und H.P. Lovecraft
Fazit
Das Black Mirror Reboot war eine Überraschung - ehrlich gesagt, hatte ich den schwarzen Spiegel der Seele über die Jahre schon vergessen. Hab mich im Vorfeld aber echt gefreut, als die Ankündigung ins Haus flatterte. Und nach dem Gesehenen auf der gamescom freue ich mich gleich noch etwas mehr. Die Lizenz hat die Anpassung und “Modernisierung” überstanden, ohne zu verwässern. Zugegeben, Abenteurern der alten Schule werden die Kopfnüsse fehlen, persönlich freue ich mich aber mehr über den Spielfluss-Fokus. Bisher sieht Black Mirror gut aus - im wahrsten Sinne des Wortes: dunkel, düster, atmosphärisch. Und Ende November wissen wir, ob es sich auch so anfühlt. Tendenz? Positiv! - TA
Rating
-/10