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Inmates

TEST: Ich und ich und ich in der Anstalt

Wer hat sich nicht schon einmal gewünscht, gerade zu träumen – und am besten auch ganz schnell aufzuwachen. Meistens passiert das in Momenten, die eine leicht unangenehme Note an sich haben: Wenn der PIN am Handy zum dritten Mal falsch war… Wenn ein Date deutlich weniger gut verläuft als erwartet/erhofft und man am liebsten schreiend weglaufen möchte… Oder eben dann, wenn man die Augen in einer heruntergekommenen Zelle aufschlägt und so absolut keine Ahnung hat, wo man sich befindet. Oder warum. Und wie man überhaupt dorthin gekommen ist.

INMATES im Test!

Zugegeben, beim deutschen Durchschnittsbürger dürften die Fälle 1 und 2 deutlich häufiger vorkommen, als das plötzliche Erwachen in einer dreckigen Zelle – im Psycho-Horror INMATES passiert aber genau das. Jonathan öffnet die Augen in einer engen Zelle, umgeben von rostigen Gitterstäben, dreckigen Wänden und Schimmel. Nicht gerade eine Wohlfühloase – und da ist es auch wenig verwunderlich, dass er gerne aus dem ganzen Schlamassel fliehen möchte. Aber unter seine Angst und Verwunderung mischt sich ein weiteres, weitaus beunruhigendes Gefühl: Vertrautheit.

Hinter der
Mauer

Nach der kurzen “Ahnungslos”-Einführung überlässt Inmates es dem Spieler, den großen Batzen W-Fragen zu beantworten. Aus der Ego-Ansicht geht es für die nächsten Stunden durch die Gefängnis/Anstaltsmauern, die tief im Innern ein noch viel dunkleres Geheimnis offenbaren, als man es zu Beginn erahnen kann. Und wie es sich für ein Grusel-Adventure gehört, soll es dem Spieler dabei so unbehaglich wie möglich zu Mute sein: INMATES punktet mit düsteren und beklemmenden Umgebungen, dazu gibt’s noch ein paar “Unter Druck”-Momente on Top.

INMATES im Test!

Wie es sich gehört: Die Zellentür ist offen. Nach den ersten Schritten aus der Zelle geht es in einen langen Trakt – alles ist dunkel, dreckig und ausgestorben. Zumindest vermeintlich. Um mehr erkennen zu können findet Jonathan bald (rein zufällig) ein Briefchen Streichhölzer, die etwas schummrig-stimmungsvolles Licht ins Gefängnis-Dunkel bringen. Blöd nur, dass die Brenndauer der Schwefelhölzchen eher begrenzt ist und man entsprechend Nachschub braucht. Sonst lässt sich bedeutend schlechter Licht in all das Dunkel bringen, dass die düsteren Flure, Keller und Zellen bereithalten.

Düster und
dreckig

Und so tastet man sich auf vorgegebenen Wegen durch die Anstalt, frei begehbar ist die Anlage nicht. Immer wieder stolpert Jonathan über verschlossene Türen und Tore, die geöffnet werden wollen. Das verbindet INMATES mit einer handvoll Rätseln, die mit ein wenig Nachdenken lösbar sind: ein Stromkreis wird geschlossen, ein Tresor geöffnet oder mit Schaltern eine Tür geöffnet. Alles in der düster-dreckigen Anstaltsumgebung, die an Vorbilder wie die frühen Silent Hill-Titel angelehnt ist. Garniert mit einer atmosphärisch-minimalistischen Akustik und ein paar Jump-Scare-Einlagen, die aber nicht immer so recht greifen mögen.

INMATES im Test!

Knapp 3 Stunden dauert der Aufenthalt hinter den Anstaltsmauern, bis INMATES sein Geheimnis preis gibt. Alle losen und verwirrenden Fragmente ergeben einen Sinn und knüpfen sich zu einer düsteren Auflösung. Mindestens so düster wie die Anstalt selbst, die auf den ersten Blick angenehm-unangenehm atmosphärisch aussieht. Wer sich etwas Zeit hat, schafft es an einem Stück durch das Adventure, sofern man nicht an dem Labyrinth kurz vor Ende verzweifelt, in dem mit Verfolgern im Nacken der Ausgang gefunden werden muss. Der Ausgang markiert auch das Ende des Spiels, aber nicht den aus der Anstalt.

Pro / Con
  • Interessante Geschichte
  • Atmosphärische düster-dreckige Umgebung
  • Eingängige First-Person-Steuerung
  • Cooler Twist am Ende des Spiels
  • 3 Stunden kurz
  • Viel ungenutztes Potenzial
Fazit
Auf der gamescom habe ich Davit Andreasyan gefragt, wie er auf die Idee gekommen ist, Inmates bis auf Voicecast und Soundtrack komplett allein zu entwickeln. Die Antwort ist simpel: Geld. Für ein größeres Team reichte es schlicht und einfach nicht. Und bei der Bewertung von Inmates ist das Stichwort “Geld” das hüpfende Komma! Es wäre nicht fair, das Spiel mit großen Produktionen oder großen Teams zu vergleichen. Inmates steht für sich - und ist eine atmosphärische Gruselerfahrung, die mit einer düsteren Story, einer düster-dreckigen Anstalt-Atmosphäre und skurrilen Momenten punktet. Potenzial für Feinschliff und einfach “mehr” gibt es natürlich - aber hey: Inmates ist Indie at it’s best! - TA
Rating
7/10