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AER

TEST: Fliegend durch das Ende der Welt

Eine dunkle Macht hat sich über die Welt gelegt und sie zerbrochen. Im wahrsten Sinne des Wortes! Die alten Götter, die einst über die Menschen und die Welt wachten, sind vergessen und verloren. Und alles, was noch übrig ist, sind viele kleine Inseln, die in dieser mystischen Welt aus endlosem Himmel schweben. Aber auch die letzten Bruchstücke der alten Welt werden bald von der Dunkelheit verschluckt sein. Die letzte Hoffnung von Welt und Menschheit ist die junge Auk, die viel mehr ist, als es auf den ersten Blick den Anschein macht.

Das Action-Adventure AER: MEMORIES OF OLD im Test!

Wobei, “Welt” und “Menschheit” nach deutlich mehr klingen, als es schlussendlich ist. Die Welt von AER: MEMORIES OF OLD besteht aus einem breit gestreuten Flickenteppich an kleinen und größeren Inseln, die sich am virtuellen Himmel verteilen. Viel “Welt” gibt es also nicht mehr zu retten. Und gleiches gilt für die “Menschheit”. Zusammen mit Auk tummelt sich auf den Inseln eine Menschheit von sage und schreibe fünf Individuen – inklusive einem grauhaarigen Greis und einem kleinen Kind. Aber es kommt ja schließlich nicht auf die Größe an – hier zählt der idealistische Wille!

Armleuchter

Auk ist die letzte ihrer Art. Und nein, damit ist nicht “Frau” gemeint. Sage und schreibe ein weiteres Exemplar tummelt sich auf der Inselwelt – also ist Auk immerhin 50 Prozent der letzten Frauen. Sie ist die letzte Pilgerin, die ein seltenes Geheimnis birgt. Eines, von dem sie natürlich selber nichts weiß. Und deshalb schickt der grauhaarige Greis sie in eine Höhle, um dort nach einem Artefakt zu suchen. Einem Hilfsmittel, dass Auk dabei helfen soll, den insulanen Flickenteppich und die 5-Mann-Menschheit davor zu bewahren, komplett von der Dunkelheit verschluckt zu werden.

Das Action-Adventure AER: MEMORIES OF OLD im Test!

Und genau in besagter Höhle übernimmt der Spieler die Geschicke von der jungen Frau. In einem kurzen Tutorial lernt er laufen, hüpfen und springen und stolpert schlussendlich über eine Laterne. Ein altes Artefakt der Götter, das bisher nur wenige auserwählte Menschen finden konnten. Mit der Lichtquelle im Schlepptau geht’s schnell hüpfend und springend aus der Höhle, da diese nach dem Entfernen der Lampe in allerbester Indiana Jones-Manier in sich zusammenfällt. An der Inselwelt-Oberfläche angekommen offenbart der grauhaarige Greis Auk ein weiteres Geheimnis: Sie ist ein Gestaltwandler.

Über den
Wolken

Die übrige vierköpfige Menschheit sitzt auf den angestammten Inseln fest – Auk kann sich an der freien Luft jederzeit in einen großen Vogel verwandeln und so über dem insulanen Flickenteppich schweben. Das ist auch nötig, denn Auks Reise führt sie an alle Ecken und Enden der Welt, um die alten Götter aufzusuchen und sich den Weg zur Quelle der Dunkelheit zu bahnen. “Freikämpfen” wäre nicht ganz das richtige Wort, da AER: MEMORIES OF OLD zwar ein Action-Adventure ist, aber mit kämpfen nix am Hut hat. In den letzten Bruchstücken der alten Welt gibt es keine Feinde. Das Spiel konzentriert sich auf die Aufgabe von Auk – und bleibt dabei angenehm ruhig.

Das Action-Adventure AER: MEMORIES OF OLD im Test!

Die frei befliegbare Welt ist leidlich umfangreich und bietet – wenn man so will – verschiedene Areale und Klimazonen. Der hohe Norden wird von schroffen Berggipfeln, Schnee und Stürmen dominiert, der Süden besteht aus kräftig grünen Inseln, auf denen sich die Fauna tummelt und Wasserfälle plätschern und ins Nichts stürzen. Auf den Inseln stehen verfallene Überreste aus der Zeit, als die alte Welt noch ganz und die Menschheit etwas zahlreicher war. Stumme Zeugen aus einer längst vergangenen Zeit, die von den Träumen, aber auch von den Verfehlungen der Menschheit berichten.

Ein wenig
Rätsel

Bevor Auk die Überreste der alten Welt retten kann, hat sie einen Weg kreuz und quer über die Inselwelt vor sich. An ehemals wichtigen Orten aus der alten Welt, muss sie Artefakte der Götter sammeln. Dafür geht’s in Vogelform zur richtigen Insel, und dort meist in eine Höhle. Unterirdisch müssen (kinderleichte) Hüpf-Passagen gemeistert werden und (ebenso kinderleichte) Schalter-Rätselchen geknackt werden. Wer Rätsel oder Kletterei a la Tomb Raider erwartet, der ist bei AER: MEMORIES OF OLD vollkommen falsch abgebogen. Hier gibt’s zwar auch eine weibliche Heldin, die Ruinen erkundet – aber da hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf.

Das Action-Adventure AER: MEMORIES OF OLD im Test!

Und dabei hüpft und springt Auk durch den einen oder anderen untergegangenen Tempel. Dabei geht es aber nur darum, von Plattform A zu B zu C zu springen, um dann mit Schalter D Tür E zu öffnen. Von wirklicher Abwechslung in Sachen Gameplay kann man da nicht sprechen, auch wenn sich das Drumherum von alten vergessenen Tempeln über Klöster und unterirdische, mechanisierte Minenschächte wandelt. Mehr als laufen und springen kann die junge Pilgerin nicht – und natürlich ihre Laterne zücken. Denn die ist in AER: MEMORIES OF OLD immer wieder der Schlüssel zum Erfolg.

Am Ende
der Welt

Prinzipiell bietet die bruchstückige Inselwelt viel Raum für Erkundungen – Ruinen stehen oder schweben schließlich an allen Ecken und Enden herum. Die Betonung liegt hier allerdings auf dem “prinzipiell”, denn außerhalb des Weges, der Auk durch die Handlung vorgegeben ist, gibt es nicht viel zu tun. Klar, die Welt ist mit den verschiedenen Bereichen hübsch anzusehen, aber mehr als ein paar textliche Überlieferungen längst vergessener Bewohner aus der alten Welt, liegen nicht herum. Und die muss der Spieler – wie alle Texte im Spiel – komplett eigenständig lesen, um zu verstehen, was vor sich geht – oder vor langer Zeit gegangen ist.

Das Action-Adventure AER: MEMORIES OF OLD im Test!

Das luftige Abenteuer von Auk legt den Fokus auf eine ruhige Geschichte, in der der Spieler nach und nach entschlüsselt, was zum Zerfall der alten Welt geführt hat. Das alles paart AER: MEMORIES OF OLD mit ruhigen und vor allem sehenswerten Flugeinlagen, die dem Spieler die komplette Low-Poly-Welt eröffnen. Der minimalistische Grafikstil zieht sich konsequent und stimmungsvoll durch das komplette Spiel – sei es nun hoch in der Luft, auf den Inseln oder unterirdisch in den Höhlen. Und er verpasst AER: MEMORIES OF OLD eine ganz besondere optische Note. Dazu gibt’s einen nicht minder stimmigen Soundtrack, der angenehm bis wunderschön ruhig das Geschehen auf dem Monitor untermalt.

Pro / Con
  • Stilvoller Low-Poly-Look
  • Angenehmer sphärischer Soundtrack
  • Coole Flugeinlagen
  • Frei befliegbare Inselwelt
  • Müde textliche Erzählweise
  • Repetitives Sprung-Gameplay
  • Keine Motivation für Erkundung
Fazit
Was ist AER: MEMORIES OF OLD denn nun eigentlich? Es ist kein Action-Adventure im Wortsinn - dafür gibt’s zu wenig Adventure und null Action. Auk läuft, springt und gleitet als Vogel über die Inselwelt, das alles aber immer in Ruhe, ohne Druck und ohne Hast. AER: MEMORIES OF OLD möchte lieber ein Erlebnis sein, ein Running-Simulator Plus - wenn man so will. Aber das ist nicht negativ gemeint. Zwar ist die Handlung rein textlich müde erzählt, dafür sieht das Spiel im Low-Poly-Look aber sehr schick und stimmungsvoll aus, die Runden als Vogel am Himmel machen Laune und der sphärisch-entspannende Soundtrack passt perfekt zum Spiel. - TA
Rating
7/10