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Real Farm

TEST: Feldarbeit und fliegende Traktoren

Was einst in der fernen Galaxie “Schweiz” seinen Anfang nahm, weitet sich nach und nach immer mehr über Europa aus. Und nein, es geht hier nicht um Schokolade von Lindt oder die “Wer hat’s erfunden?”-Bonbons mit den wertvollen Schweizer Alpenkräutern. Es war also einmal im April des Jahres 2008. Da erblickte ein Spiel das Licht der Händlerregale, das ein ganzes Genre salonfähig und erfolgreich machen sollte, das vorher ein Nischendasein fristen musste. Einsam. Alleine. Und zurückgezogen. Das Gro der Spieler wusste nicht einmal, dass es Simulationen überhaupt gab.

Der Landwirtschafts-Simulator REAL FARM im Test!

Alles änderte sich mit dem Landwirtschafts-Simulator 2008. Der virtuelle Bauernhof für die heimische Festplatte schlug ein wie eine taufrische Ladung Gülle am heißen Sommertag und fesselte Möchtegern-Landwirte an Traktor, Mähdrescher und die Tastatur. Die goldene Landwirtschafts-Simulator-Gans wird seitdem alle Jahre wieder erweitert. Und legt weiter goldene Eier. Kein Wunder, dass manch einer sich dachte “Ein paar goldene Eier könnt’ ich auch gebrauchen” und plötzlich mehr landwirtschaftliche Simulationen aus dem europäischen Ackerboden sprossen, die mittlerweile auch Konsolen-Brachland urbar gemacht haben.

Boer uit
Nederland

Der Frischling unter den virtuellen Landwirten nennt sich REAL FARM und kommt aus unseren benachbarten Niederlanden. SOEDESCO und die Triangle Studios haben sich Gummistiefel und Mistgabel geschnappt, um Simulanten (endlich) “das echte Landwirtschafts-Erlebnis” auf die Festplatte zu pflanzen. Der Acker ist bearbeitet, die Furche ist gezogen und der Samen geerdet. Gräbt das grünschnäbelige Flachland-Duo aus den Niederlanden nun den schweizerischen Hochlandbauern von GIANTS Software den fruchtbaren LWS-Ackerboden unter den breiten Traktorreifen ab?

Der Landwirtschafts-Simulator REAL FARM im Test!

Das Prinzip von REAL FARM muss wohl nicht weiter erklärt werden. Hier gibt’s nicht viele Unterschiede zum Landwirtschafts-Simulator, anno dazumal zum Agrar-Simulator oder bald zu Pure Farming: Spieler schlüpfen in die Rolle eines Landwirtes, der mit Traktor, Güllefass, Mähdrescher und allerlei anderem landwirtschaftlichem Gerät hantieren muss, um Geld zu erwirtschaften. Als angehender virtueller Landwirt in REAL FARM fehlt es aber noch an den nötigen Finanzmitteln, um Gerätschaften oder geschweige denn Felder, Wiesen oder ein Farmhaus sein Eigen zu nennen.

Hilfe als
Aushilfe

Mit nichts weiter als einem himmelblauen Pickup-Truck steht man also in der an US-Amerika angelehnten offenen Spielwelt vor einem schwarzen Brett, das zum einen Steinwurf entfernt stehenden Farmhaus gehört. Hier ist der grauhaarige Klischee-Amerikaner Matt Davis zuhause, der dem Frischling seinen ersten Job gibt: Mit Traktor und Pflug soll einer seiner Acker bearbeitet werden. Also geht’s zum Traktor, Pflug und Gegengewicht werden angehängt, mit dem Gespann geht’s zum Acker, der im vorgegebenen Zeitrahmen umgepflügt wird. Danach wird das geliehene Arbeitsgerät zurückgebracht und der ausgeschriebene Lohn kassiert. Und weiter geht’s zur nächsten Aufgabe.

Der Landwirtschafts-Simulator REAL FARM im Test!

Matt Davis kommt gleich mit einer Reihe Aufgaben daher, die als Einleitung dienen und den Spieler zu seinem Schützling machen. Weil er so zufrieden und sowieso schon so alt ist, verspricht er ihm seinen kompletten Hof samt Arbeitsgerät für 350.000 Dollar zu verkaufen. Und damit steht das erste Ziel: Verdiene 350.000 Dollar und kaufe den Hof. In REAL FARM gibt’s einen Tag- und Nachtwechsel und außerdem eine rudimentäre Landwirt-Energie-Anzeige – ab und zu müssen auch Bauern mal schlafen. Und als Schützling darf man das schon einmal in den vier Farm-Wänden von Matt Davis.

Mehr Bauern,
mehr Arbeit

Auf der Karte gibt’s gleich ein paar mehr große Farmen, die mit einem schwarzen Brett nach Aushilfen für verschiedene Jobs suchen: Ab sofort wird nicht nur das Feld umgepflügt, sondern auch eingesät, bewässer, mit Gülle zugekübelt oder das goldene Korn mit dem Mähdrescher geköpft. Zu Beginn stellen die Landwirte ihre Ausrüstung zur Verfügung, später muss man seinen eigenen Fuhrpark mitbringen. Der wird beim (einzigen) Händler des Vertrauens zusammengekauft oder gemietet. Außerdem gibt’s noch einen Händler, der Saatgut, Dünger und all das verkauft, was das Bio-Bauern-Herz höher schlagen lässt.

Der Landwirtschafts-Simulator REAL FARM im Test!

Und so tingelt man nach und nach und Stunde um Stunde über die Straßen der kleinen virtuellen Welt, um mit dem landwirtschaftlich-typischen Fuhrpark die 19 Felder zu beackern. Dass REAL FARM nicht – wie so mancher Konkurrent – mit echten Hersteller-Lizenzen und Gerätschaften um die Ecke kommt, macht gar nichts. Virtuelles Geld lässt sich auch hervorragend mit No-Name-Gerätschaften aus dem Acker graben. REAL FARM lässt dabei schnell dieses angenehme, entspannte Spielgefühl aufkommen, das man auch von der Konkurrenz kennt. Nach Feierabend noch eben zwei oder drei Äcker pflügen und einsäen? Entspannung pur!

Karriere-
Killer

Aber nur so lange, bis REAL FARM den angehenden Farmern auf dem Weg zum großen landwirtschaftlichen Glück in vollem Lauf die Mistgabel zwischen die Gummistiefel wirft. Dass das mehrere hundert Kilo schwere Gerät hinter dem Traktor immer wieder wie ein Flummi tuppelt, lässt sich verschmerzen. Dass der Traktor samt Anhang manchmal hoch über der Spielwelt trudelt und rotiert, stört schon mehr. Was allerdings richtig nervt ist, dass zwei Anläufe der Karriere nicht mehr fortgesetzt werden konnten. Weil der virtuelle Bauer nach einem erfolgreichen Auftrag auf der Stelle stehen blieb und nicht mehr bewegt werden konnte. Oder weil er aus seinem Truck in eine Holzkiste ausstieg – und wieder stecken blieb.

Der Landwirtschafts-Simulator REAL FARM im Test!

Abgesehen von fliegenden Traktoren und einbetonierten Gummistiefeln ist REAL FARM wirklich hübsch. Landschaftlich schön mit verschiedenen Wettereffekten und Tag- und Nachtwechsel, mit schicken und scharfen Texturen und landwirtschaftlichem Fuhrpark. Der allerdings nicht so sehr detailliert ist, wie bei der LWS-Konkurrenz aus der Schweiz. Insgesamt ist die offene Welt aber etwas leer, da nur ganz vereinzelt immer das selbe Fahrzeug in der gleichen Farbe auf den Straßen unterwegs ist – und das auch noch ohne Fahrer! Insgesamt wirkt die aufgeräumte und leblose Welt – Fussgänger gibt es auch keine – eher wie ein großes Modelldorf.

Pro / Con
  • Hübsche landschaftliche Spielwelt
  • Angenehmes, ruhiges Spielgefühl
  • Einfache, komfortable Handhabung
  • Ruhiger, passender Country-Soundtrack
  • Etliche technische Probleme wie fliegende Traktoren
  • Leblose Spielwelt
  • Grafische Probleme mit Schatten und Feldern
  • Nur eine recht kleine Spielwelt
Fazit
Eine schnelle Antwort auf die Frage aller Fragen: Kann REAL FARM dem Landwirtschafts-Simulator das Wasser reichen? Ganz klar: Nein. Es gibt viel weniger Möglichkeiten und der Umfang ist deutlich geringer. Außerhalb der US-Karte ist in REAL FARM die landwirtschaftliche Welt zu ende. Trotzdem, für einige entspannte Stunden Feldarbeit ist die Simulation auf jeden Fall zu gebrauchen. Allerdings müssen die Entwickler unbedingt noch ran und das Fehlerpotenzial aus der REAL FARM-Welt schaffen, das beide Karriere-Anläufe so abrupt gestoppt hat. Oder Traktoren fliegen lässt. - TA
Rating
6/10