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GRAVEL

TEST: Off-Roader mögen’s richtig dreckig!

Männer mögen’s dreckig. So richtig schmutzig. Und das egal in welchem Alter: Mit der Schippe im Sandkasten, mit Hormonüberschuss, Fahrrad und Motorrad im Wald und schließlich mit Rente, Gicht und Rheuma im Gemüsebeet. Und Männer mögen’s schnell. So richtig schnell: Auf dem Bobby-Car, Mofa, im ersten Auto und schließlich mit dem Rollator. Zwei Leidenschaften, die sich doch eigentlich ganz herrlich kombinieren lassen: Wer würde schließlich nicht gerne mit 500 PS durch den polynesischen Sandstrand pflügen? Oder durch’s dichteste Schneegestöber am Mont Blanc?

Der Off-Road-Renner GRAVEL im Test!

Aber die wenigsten haben 500 PS in der Garage und den polynesischen Sandstrand in direkter Nachbarschaft. Was also tun? Typisch deutsch eine bisschen meckern (“Früher war mehr Lametta!”) und einfach weiter machen? Oder die 500 PS auf die To-Do-Liste setzen und bis dahin die schmutzigen Quickie-Erfahrungen auf die virtuelle Welt verschieben? Nein, nicht die mit heißem Fahrwerk und üppiger Knautschzone… Sondern die hinterm virtuellen Lenkrad, wo es nach allen Regeln der Kunst virtuell über Stock und über Stein geht.

Off-Road
Italia

Ein frischer Über-Stock-und-über-Stein-Kandidat kommt aus dem italienischen Rennstall von Milestone und will die dirty Off-Road-Konkurrenz aus dem Hause Codemasters vom Podium schubsen. Wer dabei auf eine Simulationsansatz hofft, der sollte tunlichst die Finger von GRAVEL lassen: Hier geht’s wie einst bei einem bajuwarischen Motoren-Werk um die “Freude am Fahren”. Deshalb liegt der arcadige Fokus auf Zugänglichkeit und kurzweilige Rennen für alle die, die zwischendurch Bock auf eine schnelle Nummer haben. Dreckig. So richtig schmutzig.

Der Off-Road-Renner GRAVEL im Test!

GRAVEL ist ebenso wenig innovativ wie simulativ. Aber mal ehrlich: Wer will schon das Rad neu erfinden? Einsame Fahrer toben sich in der Karriere oder den freien Rennen aus, alternativ rotten sich Rudel im Mehrspieler-Modus zusammen. In den freien Rennen ist zu beginn noch herzlich wenig los, da die Inhalte – Boliden und Strecken – zuerst in der Karriere freigespielt werden müssen. Die haben die Entwickler übrigens als kommentierte Meisterschafts-Übertragung im “GRAVEL Channel” aufgezogen, die der Spieler in etlichen Wettbewerben gewinnen muss.

Harte Jungs

Die Meisterschaft ist auf sechs Folgen aufgeteilt, an deren Ende ein Kopf-an-Kopf-Rennen gegen die aktuellen Titelverteidiger auf dem Plan steht. In kleinen Wettbewerben sammelt der Spieler Punkte – je besser die Platzierung, desto mehr Punkte gibt’s. So werden nicht nur neue Boliden und Lackierungen freigeschaltet, sondern auch die Final-Rennen gegen die Titelverteidiger. Die klischeehaft harten Jungs werden mit kurzen Pose-Filmchen samt bösem Blick inszeniert, bevor der Spieler sie in jeweils drei Rennen aufs Abstellgleis schieben muss.

Der Off-Road-Renner GRAVEL im Test!

GRAVEL bringt vier Disziplinen mit, in denen der Spieler sich austoben darf: In “Stadium” geht’s in realen und erfundenen Stadien-Parkours zur Sache, “Speed-Cross”-Rennen finden auf realen Strecken von Europa bis Amerika statt und mixen Asphalt und Schotter, “Cross-Country” beinhaltet Checkpoint-Rennen in weitläufigen Arealen und in “Wild-Rush”-Rennen geht’s auf (größtenteils) natürlichen Rundkursen zur Sache. Dabei ist der Spieler nicht mit einem Wagen unterwegs, der nach und nach aufgebrezelt wird, sondern kann vor jedem Event entsprechend Ausrichtung des Rennens aus einem vorgegebenen Pool wählen.

Arcade
Action

Der Fuhrpark reicht von alten Rally-Legenden aus dem Hause Lancia, Opel oder Ford bis zu aktuellen Boliden von Volkswagen, Mitsubishi, Toyota, Nissan oder BMW. Und wie gesagt, GRAVEL möchte auf der Piste kein Simulant sein. Milestone hat das Augenmerk auf Zugänglichkeit und Fahrspaß gelegt – und die Rechnung geht auf. Auch als durchschnittlicher Off-Roader fühlt man sich hinterm Lenkrad wohl. Natürlich macht es einen Unterschied, ob man auf allen Vieren über Asphalt, Sand oder Schnee rodelt, ebenso ob der Bolide Front-, Heck- oder Allrad-Antrieb hat. Was stört ist die Gummiband-KI, die oft kurz vor dem Ziel wieder heiß im Nacken auftaucht.

Der Off-Road-Renner GRAVEL im Test!

Nix zu meckern gibt’s bei den Panoramen, die GRAVEL immer wieder auf den Monitor zaubert. Dank Unreal Engine 4 sind die Boliden detailliert und das Schneegestöber am Mont Blanc, die bergige Weite Alaskas oder die staubig-sandige Wüste in Namibia bieten Postkartenmotive und Abwechslung. Das Geschwindigkeitsgefühl ist sehr gut gelungen und die Spiegelungen auf der nassen Fahrbahn gefallen. Ansonsten hätte es aber noch Spielraum für Details gegeben: Regeneffekte, Schäden an den Fahrzeugen oder aufwirbelnden Dreck hat es schon deutlich schöner gegeben.

Pro / Con
  • Umfangreicher Fuhrpark
  • Tolle und abwechslungsreiche Strecken
  • Gutes Geschwindigkeits-Gefühl
  • Einfache Zugänglichkeit
  • Schnelle Arcade-Rennen
  • 4 abwechlungsreiche Disziplinen
  • Klischee-Gegner in der Karriere
  • Probleme mit der Kameraperspektive
  • Einige Wettereffekte nicht zeitgemäß
Fazit
GRAVEL macht ordentlich Laune. Dank der zugänglichen Arcade-Ausrichtung ist der Off-Roader für ein paar unbeschwerte Rennen zwischendurch immer zu haben. Wie von Rennspielen gewohnt, darf man von der “Kampagne” nichts erwarten - bis auf die harten Klischee-Gegner-Videos und einen ordentlichen Kommentator gibt es nichts Auffälliges. Da fallen schon eher die schicken Umgebungen auf, durch die es mit einem tollen Fahrgefühl geht. Auch wenn die Verfolgerkamera immer wieder Probleme macht, da der Winkel auf die klotzigen Geländewagen nicht angepasst wurde. Da versperrt einem der eigene Wagen schon mal die Sicht nach vorn. - TA
Rating
7/10